Dihydrotestosteron (DHT)

Dihydrotestosteron (DHT) ist ein Metabolit von Testosteron und gehört ebenfalls der Gruppe männlicher Sexualhormone, den Androgenen, an.


Was ist Dihydrotestosteron (DHT)?

Testosteron stellt die Vorstufe von DHT dar (Abb. 1). Und wie bei Testosteron basiert das Grundgerüst von DHT ebenfalls auf 19 Kohlenstoffatomen. Es zählt somit zu den C19-Steroiden.1

Strukturformel von Dihydrotestosteron

Abbildung 1: Umwandlung von Testosteron zu Dihydrotestosteron (DHT).

Wie wird DHT gebildet und wie wirkt es?

DHT wird in den Zielorganen wie der Prostata, der Samenblase und den Nebenhoden aus Testosteron gebildet.1 Genauer gesagt findet eine Reduktion des Testosterons durch das Enzym 5α-Reduktase statt.

Wie Testosteron kann auch DHT durch einen negativen Rückkopplungsmechanismus die GnRH-Ausschüttung im Hypothalamus inhibieren und folglich die Produktion von Testosteron und DHT senken.1 Die Normwerte für DHT liegen bei Männern bei 0,16–1,10 ng/ml und bei Frauen bei 0,06–0,2 ng/ml (Tab. 1).2

Tabelle 1: Normwerte von Dihydrotestosteron

Normwerte Dihydrotestosteron
Männer 0,16–1,1 ng/ml
Frauen 0,06–0,2 ng/ml

Der Großteil des DHTs ist im Blutkreislauf an Sexualhormon-bindende Globuline (SHBG) gebunden. Nur 1 % des DHT zirkuliert frei im Blut.3

Das freie DHT kann, wie Testosteron, in Zielorganen an die Androgenrezeptoren binden. Im inaktiven Zustand sind Androgenrezeptoren an Hitzeschockproteine gebunden, welche die Rezeptoren im Zytoplasma der Zelle stabilisieren. Wenn sich DHT an den Androgenrezeptor bindet, wird eine Konformationsänderung induziert, welche die Freisetzung des Hitzeschockproteins und die Translokation des Hormon-Rezeptor-Komplexes in den Zellkern bewirkt.4

Dort kann sich der Komplex in Form von Dimeren, also zwei Hormon-Rezeptor-Komplexen, an sogenannte „androgen-responsive elements“ der DNA binden und die Expression androgenabhängiger Gene regulieren.5 Die Effektivität dieser DHT-Wirkung ist zudem abhängig von sogenannten Koregulatoren, die durch Binden an den Komplex aktivierend oder repressiv auf die Genexpression einwirken können.4

Interessanterweise ist die Wirkweise von DHT und Testosteron identisch, jedoch ist DHT ein potenteres Androgen, weil es eine höhere Affinität zum Androgenrezeptor aufweist und so effektiver wirken kann.1

Welche Funktionen hat DHT?

Als männliches Sexualhormon ist DHT vorrangig für die Ausbildung und Funktionalität der männlichen Geschlechtsorgane verantwortlich.1

Zu den spezifischen Funktionen von DHT zählen während der Embryonalentwicklung die Entwicklung des Penis, des Skrotums und der Prostata.6 Während der Pubertät fördert DHT das Wachstum der männlichen Geschlechtsorgane und der männlichen Körperbehaarung sowie die verstärkte Talgdrüsensekretion.6 Im Erwachsenenalter ist es an der Bildung der Prostata- und Samenblasensekrete beteiligt.6 Zudem zeigt DHT geschlechtsunspezifisch anabole Wirkungen auf Muskulatur, Knochen und das hämatopoetische System.1

Die 5α-Reduktase wird neben den Geschlechtsorganen außerdem in Leber, Niere, Haut und im Gehirn exprimiert, jedoch sind die spezifischen Funktionen von DHT in diesen Organen noch nicht bekannt.7

Welche Krankheitsbilder stehen im Zusammenhang mit DHT?

DHT wird durch die Umwandlung von Testosteron durch die 5α-Reduktase gebildet. Verschiedene Krankheitsbilder, die auf einer Reduktion oder Überproduktion von DHT beruhen, sind deswegen auf angeborene Defekte der 5α-Reduktase zurückzuführen. So kann eine 5α-Reduktase-Defizienz zu einer Ausbildung zwittriger Genitalien und zu Intersexualität führen.8 Während der Pubertät sind jedoch ein normales Peniswachstum sowie eine normale Hodenentwicklung und Spermatogenese nachweisbar. Die Prostata ist bei diesen Patienten jedoch nur rudimentär entwickelt und es ist eine reduzierte Körperbehaarung zu beobachten.7

Neben einer 5α-Reduktase-Defizienz kann auch eine zu hohe 5α-Reduktase-Aktivität negative Auswirkungen haben. So konnte eine Korrelation der 5α-Reduktase-Aktivität mit Vergrößerungen der Prostata sowie Haarausfall bei Männern nachgewiesen werden.9

Aufgrund der positiven Korrelation zwischen DHT und Prostataentwicklung wurden 5α-Reduktase-Inhibitoren (Finasterid und Dutasterid) zur Behandlung der gutartigen Prostatahyperplasie entwickelt und auch die Wirkung auf Prostatakarzinome untersucht. Hier zeigte eine Therapie mit 5α-Reduktase-Inhibitoren eine um bis zu 25 % reduzierte Inzidenz von Prostatakarzinomen im Vergleich zu Placebo behandelten Patienten.7

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    Aktories, K., Förstermann, U., Hofmann, F.B., Starke, K. (2005). Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, 9. Auflage.

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  • 3.

    Gressner, A. M., Arndt, T. (2013). Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik. Springer Verlag, 2. Auflage.

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    Nieschlag, E., Behre, H. M., Nieschlag, S. (2001) Andrology: Male Reproductive Health and Dysfunction. Springer Verlag, 2. Auflage.

  • 5.

    Siegenthaler, W., Blum, H.E. (2006) Klinische Pathophysiologie. Georg Thieme Verlag, 9. Auflage.

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    Thews, G, Mutschler, E., Vaupel, P. (1999) Anatomie Physiologie Pathophysiologie des Menschen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 5. Auflage.

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  • 8.

    Fritsch, P. (2009). Dermatologie und Venerologie für das Studium. Springer Verlag.

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    Nieschlag, E., Behre, H. M., Nieschlag, S. (2010). Andrology. Springer Verlag, 3. Auflage.