Dehydroepiandrosteron (DHEA)

Dehydroepiandrosteron (DHEA) gehört zur Gruppe der männlichen Sexualhormone, wird allerdings von beiden Geschlechtern gebildet.1


Was ist Dehydroepiandrosteron (DHEA)?

Dehydroepiandrosteron (DHEA) wird sowohl bei Männern als auch Frauen hauptsächlich in der Nebennierenrinde gebildet.1 Die Bildung von DHEA wird hier durch das adrenocorticotrope Hormon (ACTH), welches von der Hypophyse ausgeschüttet wird, stimuliert. Zudem entsteht DHEA in geringeren Mengen in Gliazellen im Gehirn, im Hoden und in den Ovarien.1,2

Wie Testosteron basiert das Grundgerüst von DHEA auf 19 Kohlenstoffatomen (Abb. 1). DHEA zählt somit zu den C19-Steroiden.1 Im Syntheseweg ist DHEA eine Vorstufe von Testosteron. Die Biosynthese von DHEA findet durch eine schrittweise enzymatische Umwandlung von Cholesterin statt. Die Sekretionsrate von DHEA liegt bei Männern bei ca. 31 mg/Tag und bei Frauen bei ca. 20 mg/Tag.3 Im Alter von 20–30 Jahren weist die Sekretionsrate einen Höhenpunkt auf und nimmt im Alter ab.4

DHEA wird größtenteils als Sulfatester (DHEAS) ins Blut abgegeben.5 Es zirkulieren lediglich 4 % DHEA/DHEAS frei im Blut. Der restliche Anteil ist an Transportproteine wie Albumin und das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) gebunden.1

Strukturformel vn Dehydroepiandrosteron

Abbildung 1: Strukturformel von Dehydroepiandroesteron (DHEA).

Welche Funktionen hat DHEA?

DHEA dient als Vorstufe für die Testosteron- und Östrogensynthese. Für die Testosteronsynthese kann DHEA durch die Aktivität einer 5α-Isomerase und 3β-Dehydrogenase zu Androstendion und durch die 17β-Dehydrogenase zu Testosteron konvertiert werden.6

Für die Östrogensynthese kann Testosteron durch eine Aromatase direkt zu Estradiol, dem wichtigsten Östrogen der Frau, umgesetzt werden. Außerdem kann DHEA durch eine 5α-Isomerase und 3β-Dehydrogenase zu Androstendion umgewandelt und dann durch eine Aromatase zu dem Östrogen Estron konvertiert werden.6

Lange Zeit wurde DHEA nur als Zwischenprodukt der Hormonsynthese ohne eigene Wirksamkeit angesehen. Jedoch übt DHEA auch selbst schwache androgene Wirkungen im Körper aus.7 So fallen die DHEA- und DHEAS-Konzentrationen nach der Geburt ab und steigen in der Pubertät, dem Zeitpunkt der Ausprägung der sekundären Geschlechtsmerkmale, wieder an.1

Neben der androgenen Wirkung konnte eine stimulierende Wirkung von DHEA auf inhibitorische GABAerge Synapsen im zentralen Nervensystem nachgewiesen werden.8

Im Blutkreislauf kann DHEA zur Durchblutungssteigerung beitragen, indem es an DHEA-Rezeptoren in Gefäßwänden bindet und die Gefäßdilatation durch Freisetzung von Stickoxid stimuliert.1

Welche Krankheitsbilder stehen im Zusammenhang mit DHEA?

Besonders Störungen der Nebenniere (z. B. Nebenniereninsuffizienz oder Nebennierenrindentumoren) können zu einer verringerten bzw. erhöhten DHEA-Synthese führen.9 Der Morbus Addison ist eine Funktionsstörung aufgrund einer direkten Erkrankung der Nebenniere (primäre Nebenniereninsuffizienz), die meist eine Autoimmunerkrankung ist.10

Zur Behandlung eines DHEA-Mangels bei Nebenniereninsuffizienz stehen keine behördlich zugelassenen Arzneimittel zur Verfügung. Insbesondere bei Frauen mit Nebenniereninsuffizienz wurde jedoch durch orale Gabe von DHEA eine Besserung von Wohlbefinden, Stimmung und Sexualität gezeigt.11

Im Alter kommt es zudem unabhängig von der Menopause bei Männern und Frauen zu einem Abfall der DHEA- und DHEAS-Spiegel, was auch als Adrenopause bezeichnet wird. Die Adrenopause kann durch verschiedene Faktoren hervorgerufen werden.1 Dazu zählt zum einen die reduzierte Aktivität der 17,20-Lyase, welche für die Bildung von DHEA aus 17α-Hydroxypregnenolon verantwortlich ist, und zum anderen eine reduzierte Funktionalität der Nebenniererinde.1

Der Abfall der DHEA- und DHEAS-Spiegel kann zu einer Vielzahl altersbedingter Symptome beitragen. So konnte in klinischen Studien eine gegenläufige Korrelation zu Symptomen wie reduzierte Muskelkraft, Übergewicht, Insulinresistenz und kardiovaskulären Erkrankungen nachgewiesen werden.1

In den USA ist DHEA als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich und wird verbreitet als Anti-Aging-Mittel eingesetzt. In Deutschland sind keine DHEA-haltigen Arzneimittel verfügbar.4

In den letzten Jahren wurden Vaginalsuppositorien mit DHEA (Prasteron) mit Erfolg für die Behandlung urogenitaler Beschwerden bei Frauen nach der Menopause geprüft.12 Ein entsprechendes Arzneimittel ist in Deutschland derzeit jedoch (noch) nicht verfügbar.

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