Medroxyprogesteronacetat (MPA)

Medroxyprogesteronacetat (Abb. 1), oder kurz MPA, gehört zur Gruppe der synthetischen Gestagene, die auch als Gelbkörperhormone bezeichnet werden.1


Was ist der Wirkungsmechanismus von MPA?

Wie Progesteron, wirkt MPA als Agonist an Progesteronrezeptoren sowie als Östrogenantagonist. Es unterdrückt die Bildung von Estradiolrezeptoren und aktiviert die 17β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase. Diese Dehydrogenase katalysiert die Umwandlung von Estradiol zu Estron, welches über eine geringere biologische Aktivität verfügt. Zudem fördert MPA die Ausscheidung von Östrogenen.2 Diese drei antagonistischen Funktionen von MPA begründen auch dessen Einsatz in der Behandlung östrogenabhängiger Endometriumkarzinome, wenngleich der genaue Wirkmechanismus noch nicht bekannt ist.3 Es resultiert eine verminderte Proliferation und das Tumorwachstum wird unterdrückt.

Strukturformel von MPA

Abbildung 1: Strukturformel von MPA.

Wie wird MPA angewendet?

In der Hormonersatztherapie wird MPA in Kombination mit Östrogenpräparaten eingesetzt, um der proliferationsstimulierenden Wirkung am Endometrium von Östrogenen entgegenzuwirken. Aufgrund seiner ovulationshemmenden Eigenschaften kann MPA auch allein als Kontrazeptivum eingesetzt werden.4 Die anti-proliferierende Wirkung führt zudem zu einem gestörten Aufbau des Endometriums und verhindert so eine erfolgreiche Nidation.4 Eine Depotform von MPA ist als Kontrazeptivum zur intramuskulären Injektion verfügbar. Offenbar durch Hemmung der ovariellen Östrogenproduktion kommt es unter der Anwendung zu einem Abfall der Knochenmineraldichte.8

In hohen Dosierungen wirkt MPA zudem schwach androgen. Diese Wirkung basiert auf der reduzierten Konzentration des sexualhormonbindenden Globulins (SHBG) im Blutkreislauf. Im Blut liegt Testosteron, der wichtigste Vertreter der Androgene, zu 44 % an SHBG gebunden vor.5 Testosteron kann seine Funktion nach heutiger Lehrmeinung jedoch nur in seiner freien Form ausüben. Folglich hat das SHBG-Level einen Einfluss auf die Wirksamkeit des Testosterons. Bei reduziertem SHBG wird weniger Testosteron gebunden, sodass mehr freies Testosteron verfügbar ist.4,6

Welche unerwünschten Ereignisse können mit einer MPA-Therapie einhergehen?

Eine MPA-Therapie kann mit Nebenwirkungen verbunden sein. Aufgrund seiner antiöstrogenen Wirkung hat MPA dosisabhängig nachteilige Effekte auf die Knochenmasse. Abnahmen der Knochenmineraldichte wurden insbesondere bei jungen Frauen nach wiederholten Injektionen der Depot-Form beobachtet.8 Eventuell können Symptome ähnlich zu Wechseljahresbeschwerden auftreten. Dazu zählen u. a. reduzierte Zervikalsekretion, vaginale Trockenheit, reduzierte Libido und depressive Verstimmungen.4

Außerdem wird eine glukokortikoide Wirkung von MPA diskutiert. MPA hat einen proliferationsfördernden Effekt auf das Brustgewebe.7

  • 1.

    Aktories, K., Förstermann, U., Hofmann, F.B., Starke, K. (2005). Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, 9. Auflage.

  • 2.

    Gressner, A. M., Arndt, T. (2013). Lexikon der Medizinischen Laboratoriumsdiagnostik. Springer Verlag, 2. Auflage.

  • 3.

    Zaino, RJ., et al. (2014). Histologic effects of medroxyprogesterone acetate on endometrioid endometrial adenocarcinoma: a Gynecologic Oncology Group study. Int J Gynecol Pathol. 33, pp. 543-53.

  • 4.

    Ahrendt, H. J., Friedrich, C. (2017). Sexualmedizin in der Gynäkologie. Springer Verlag.

  • 5.

    Hofstetter, A. G., Eisenberger, F. (1996). Urologie für die Praxis. Springer Verlag, 2. Auflage.

  • 6.

    Dowsett, M., Lal, A., Smith, I. E., Jeffcoate, S. L. (1987, Mar). The effect of low and high dose medroxyprogesterone acetate on sex steroids and sex hormone binding globulin in postmenopausal breast cancer patients, Br. J. Cancer. 55 (3), pp. 311-313.

  • 7.

    Otto, C., et al. (2008, Aug). Comparative analysis oft he uterine and mammary gland effects of progesterone and medroxyprogesterone acetate. Endocrinology. 149 (8), pp. 3952-3959.

  • 8.

    Sarfati J., de Vernejoul M. C. (2009). Impact of combined and progestogen-only contraceptives on bone mineral density. Joint Bone Spine 76, pp. 134-8.