Progesteron bei Männern

Bei Männern wurde Progesteron lange Zeit nur als unwichtiges Nebenprodukt der Steroidsynthese angesehen. Die genauen Funktionen von Progesteron im männlichen Organismus sind deshalb nur ansatzweise geklärt.


Warum wird Progesteron auch von Männern gebildet?

Obwohl Progesteron von Frauen und Männern synthetisiert wird, zählt es zu den weiblichen Sexualhormonen. Diese Zuordnung basiert vor allem auf der essentiellen Funktion des Progesterons in der Regulation des weiblichen Menstruationszyklus.1

Die 3β-Hydroxysteroid-Dehydrogenase stimuliert den letzten Schritt der Progesteron-Biosynthese. Die Expression dieses Enzyms konnte bei Männern in den Leydigzellen des Hodens und der Nebennierenrinde nachgewiesen werden. Dort kann Progesteron synthetisiert und in den Blutkreislauf sezerniert werden.2 Progesteron ist auch bei Männern Zwischenprodukt der Synthese von Testosteron und anderen Steroiden.1

Von außen zugeführte synthetische Gestagene, in abgeschwächter Form eventuell auch orales Progesteron, können die Testosteronsynthese in den Leydigzellen negativ beeinflussen, indem sie das luteinisierende Hormon (LH) hemmen. Dadurch wird die LH-induzierte Testosteronsynthese im Hoden unterdrückt.2

Progesteron spielt möglicherweise eine Rolle für die Fruchtbarkeit, da es die Spermienaktivität im weiblichen Genitaltrakt steigern kann.2 Dieser Prozess wird auch als Kapazitation bezeichnet. Während der Ejakulation werden Spermien dekapazitiert, um die Spermienmembran zu stabilisieren und eine verfrühte Degeneration der Membranen zu verhindern. Im weiblichen Genitaltrakt findet dann die Kapazitation statt, damit eine Interaktion mit der Eizelle und die Befruchtung erfolgen können. Mechanistisch konnte gezeigt werden, dass Progesteron zu einem Anstieg der freien intrazellulären Ca2+-Konzentration führt und die Aktivität von Phospholipasen und die Tyrosin-Phosphorylierung von Spermienproteinen induziert. Diese Prozesse sind an der Kapazitation der Spermien beteiligt.2

In der darauffolgenden Akrosomreaktion verschmilzt die Plasmamembran des Spermiums mit der Membran des Akrosoms im Spermienkopf. Die darin enthaltenen Enzyme werden freigesetzt und können die Zona pellucida der Eizelle lysieren, sodass das Spermium eindringen kann.3 Progesteron ist somit möglicherweise ein relevanter Faktor für die männliche Fruchtbarkeit.

  • 1.

    Aktories, K., Förstermann, U., Hofmann, F.B., Starke, K. (2005). Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, 9. Auflage.

  • 2.

    Oettel, M., Mukhopadhyay, A. K. (2004, Sep). Progesterone: the forgotten hormone in men? Aging Male, 7 (3), pp. 236-257.

  • 3.

    Beckmann, M.W. et al. (2002). Molekulare Medizin in der Frauenheilkunde; Springer Verlag.