Empfehlungen zur Therapie der urogenitalen Atrophie

Die „International Menopause Society“ (IMS) empfiehlt eine lokale niedrig dosierte Östrogengabe als Behandlung der urogenitalen Atrophie und wiederkehrender Harnwegsinfekte.


Empfehlungen der International Menopause Society

Die „International Menopause Society“ (IMS) gibt zur Therapie der vaginalen Atrophie und anderer urogenitaler Beschwerden in der Menopause aktuell unter anderem folgende Hinweise und Empfehlungen in Bezug auf eine Hormontherapie1:

  • Ärzte sollten proaktiv auf ihre Patientinnen zugehen, um ihnen beim Aufzeigen der mit einer vulvovaginalen Atrophie assoziierten Symptome zu helfen, und nach einer adäquaten Therapie suchen, wenn die vaginalen Beschwerden klinisch relevant sind.
  • Die Therapie sollte frühzeitig begonnen werden, bevor unwiderrufliche atrophische Veränderungen aufgetreten sind, und fortgesetzt werden, um den Nutzen aufrechtzuerhalten.
  • Urogenitale Symptome sprechen gut auf die Behandlung mit Östrogenen an.
  • Ziel der Behandlung einer bestehenden vulvovaginalen Atrophie ist sowohl die Wiederherstellung des physiologischen Zustands im Urogenitalbereich als auch die Verminderung der Symptome. Wenn die vulvovaginale Atrophie als einziges Symptom auftritt, stellt eine Behandlung mit lokalen Östrogenen die Therapie der ersten Wahl dar.
  • Welche Modalitäten einer lokalen Östrogentherapie gewählt werden, sollte sich an den Wünschen der Patientin orientieren.
  • Die lokale Östrogentherapie minimiert das Ausmaß der systemischen Absorption. Obwohl die vaginale Östrogenanwendung bei einer Langzeitbehandlung die Östrogenkonzentrationen im Plasma erhöhen kann, liegen die beobachteten Konzentrationen nicht über dem Normalwert von 20 pg/ml bei postmenopausalen Frauen.
  • Häufig ist eine Langzeitbehandlung notwendig, da die Symptome nach Therapieabbruch wieder auftreten können. Systemische Risiken konnten bei einer lokalen niedrig dosierten Östrogengabe nicht ausgemacht werden.
  • Die Anwendung einer systemischen Hormontherapie scheint nicht vor dem Auftreten einer Harninkontinenz zu schützen. Eine lokale niedrig dosierte Östrogengabe ist als Behandlung der urogenitalen Atrophie und wiederkehrender Harnwegsinfekte vorzuziehen.
  • Aktuell ist eine systemische Östrogentherapie bei Frauen mit stressbedingter Harninkontinenz nicht angezeigt.
  • Die zusätzliche Gestagengabe ist nicht indiziert, wenn die lokale Östrogentherapie niedrig dosiert und adäquat verwendet wird. Allerdings fehlen momentan noch Langzeitbeobachtungen, die länger als ein Jahr andauern.
  • 1.

    Baber, R., Panay, N., Fenton, A., & for the IMS Writing Group. (2016). IMS Recommendations on women's midlife health and menopause hormone therapy. Climacteric, 19(2), pp. 109-50.