Testosteron bei Frauen

Obwohl Testosteron den wichtigsten Vertreter der männlichen Sexualhormone, der Androgene, darstellt, wird es sowohl bei Männern als auch bei Frauen gebildet.1


Welche Funktionen hat Testosteron bei Frauen?

Bei Frauen entsteht ein Teil des Testosterons durch Umwandlung von Androstendion und Dehydroepiandrosteron in peripheren Geweben. Zusätzlich wird es in den Ovarien produziert.2

In erster Linie ist Testosteron bei Frauen für die Estradiolsynthese von Bedeutung. Durch eine Aromatase wird Testosteron in Estradiol umgesetzt. Eine hohe Aktivität der Aromatase kann vor allem in den Ovarien, aber auch im Brustgewebe, der Leber und in subkutanem Fettgewebe nachgewiesen werden.1

Jedoch sprechen einige Forschungsergebnisse dafür, dass auch Testosteron selbst eine wichtige Funktion im weiblichen Körper ausübt. So können Androgenrezeptoren in einer Vielzahl von Organen detektiert werden. Dazu zählen u. a. Brust, Gehirn, Knochen, Muskeln, Fettgewebe, Leber und Haut.3

Testosteron stimuliert geschlechtsunspezifisch den Aufbau der Muskulatur und zwar durch die Stimulierung pluripotenter Stammzellen, Satellitenzellen und Myoblasten zu bilden.4 Zudem fördert Testosteron die Bildung von Erythrozyten und deren Eisenaufnahme sowie den Knochenaufbau.5,6 Eine libidosteigernde Wirkung von Testosteron wurde bei ovarektomierten Frauen nachgewiesen.2

Im Gegensatz zu Estradiol wirkt Testosteron möglicherweise durch Bindung an den Androgenrezeptor antiproliferierend, indem es die Östrogenrezeptoraktivität herabsetzt. Eventuell kann Testosteron in Form subkutaner Implantate das Risiko für Brustkrebs herabsetzen.7

Nach der Menopause kommt es zu einem Abfall der Testosteron- und Östrogenproduktion durch die Ovarien. Dies ist mit einer Vielzahl von Symptomen verbunden, die durch ein Zusammenspiel beider Hormone verursacht werden können. Bei Frauen geht insbesondere der Abfall von Östrogenen mit einer reduzierten Knochendichte und somit erhöhtem Osteoporoserisiko einher.6

Behandlung von Frauen mit Testosteron

Es besteht kein grundsätzlicher medizinisch-wissenschaftlicher Konsens bezüglich der Diagnostik und Therapie eines weiblichen Androgenmangels, allerdings wird ein Behandlungsversuch mit Testosteron bei ovarektomierten oder postmenopausalen Frauen mit krankhaft vermindertem sexuellem Interesse empfohlen.8

Insbesondere mit der Anwendung von Testosteron über die Haut wurden positive Effekte auf die Sexualfunktion und die Libido bei Frauen mit Androgenmangel nach Hysterektomie und Ovarektomie beziehungsweise nach natürlicher Menopause gezeigt, wobei die Frauen bereits auf eine konventionelle Hormonersatztherapie mit Östrogen und – bei Frauen mit Uterus – Gestagen dauerhaft eingestellt waren.9 Für die Behandlung wird als wichtig angesehen, dass die Testosteronkonzentrationen im Normbereich für Frauen von etwa 0,6 ng/ml (entsprechend 2 nmol/l) verbleiben und nicht dauerhaft auf supraphysiologische Werte angehoben werden. Derzeit gibt es keine zur Behandlung von Frauen zugelassenen Testosteron-Arzneimittel.

In diesem Zusammenhang ist darauf zu verweisen, dass eine Schwangerschaft ausgeschlossen sein muss, da Testosteron schädliche virilisierende Wirkungen auf den Fötus haben kann.

  • 1.

    Aktories, K., Förstermann, U., Hofmann, F.B., Starke, K. (2005). Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, 9. Auflage.

  • 2.

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  • 3.

    Elraiyah, T., et al. (2014, Oct). The benefits and harms of systemic testosterone therapy in postmenopausal women with normal adrenal function: a systematic review and meta-analysis. J Clin Endocrinol Metab, 99 (10), pp. 3543-3550.

  • 4.

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  • 5.

    Nieschlag, E., Behre, H. M., Nieschlag, S. (2010). Andrology. Springer Verlag, 3. Auflage.

  • 6.

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  • 7.

    Glaser, R., Dimitrakakis, C. (2015, Nov). Testosterone and breast cancer prevention. Maturitas, 82 (3), pp. 291-5.

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