Welche Formen der oralen hormonellen Kontrazeption gibt es?

Bei den kombinierten oralen Kontrazeptiva können je nach Kombination der Östrogen- und Gestagenkomponenten Einphasenpräparate, Zweiphasenpräparate, Zwei- und Dreistufenpräparate sowie Vierphasenpräparat(e) unterschieden werden.


Orale hormonelle Kontrazeption

Kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK)

Östrogen-Gestagen-Kombinationspräparate enthalten künstlich hergestellte Östrogene und Gestagene, die den natürlichen weiblichen Geschlechtshormonen ähnlich sind. Diese Mittel haben folgende Wirkmechanismen zur Kontrazeption:

  • Unterbindung des Eisprungs (Ovulationshemmung, Hauptmechanismus)
  • Veränderungen der Konsistenz des Schleims im Gebärmutterkanal; auf diese Weise wird der Eintritt von Spermien in die Gebärmutter be- bzw. verhindert (Hemmung der Spermienaszension)
  • Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut, die die Einnistung einer befruchteten Eizelle erschweren (Nidationshemmung)

Die kombinierten oralen Kontrazeptiva werden unterschieden in Einphasenpräparate, Zweiphasenpräparate, Zwei- und Dreistufenpräparate sowie Vierphasenpräparat(e). Das hauptsächlich verwendete Östrogen ist hierbei Ethinylestradiol, während in der Gestagenkomponente verschiedene Gestagene zu finden sind. In den meisten KOK ist das Gestagen in einer deutlich über der Ovulationshemmdosis liegenden Dosierung enthalten, sodass eine sichere Kontrazeption auch ohne Rücksicht auf die Östrogenkomponente gegeben ist.1

Einphasenpräparate enthalten über die gesamte Einnahmedauer hinweg täglich dieselbe Dosis an Östrogen- und Gestagenkomponenten. Sie sind die am meisten verbreiteten oralen Kontrazeptiva.

Bei Zweiphasenpräparaten wird initial nur Ethinylestradiol appliziert und erst in einer zweiten Phase zusätzlich ein Gestagen. Zweiphasenpräparate sind in Deutschland nur noch als Importpräparate verfügbar.

Zwei- und Dreistufenpräparate versuchen, das natürliche Zyklusgeschehen der Frau nachzuahmen. Im Gegensatz zu den Einphasenpräparaten variiert die Dosis der Östrogen-Gestagen-Kombination innerhalb eines Einnahmezyklus. Bei der Zweistufen-Methode ist die Gestagendosis in der ersten Zyklushälfte niedriger als an den folgenden Tagen, während die Ethinylestradioldosis konstant ist oder im Zyklusverlauf absinken kann. Die Dreistufenpräparate sind dem weiblichen Zyklus noch ähnlicher. Entsprechend dem Hormonspiegelverlauf während eines Zyklus variieren hierbei sowohl die Gestagen- als auch die Östrogendosen. Die Zwei- und Dreistufenpräparate enthalten höhere Ethinylestradioldosen als die Einphasenpräparate. Bisher gibt es keine Studie, die gezeigt hätte, dass diese Präparate grundsätzlich eine höhere Zyklusstabilität erreichen oder z. B. Zystenbildungen eher entgegenwirken.2 Des Weiteren ist die Anwendung komplizierter als bei Einphasenpräparaten, insbesondere bei Vergessen der Einnahme: Es ist dann schwierig zu entscheiden, mit welcher Dosiskombination die Einnahme fortgesetzt werden soll.

Insofern sind, wenn Ethinylestradiol nicht kontraindiziert ist, Einphasenpräparate die Therapie der ersten Wahl. Die Ersteinstellung einer Patientin sollte, wenn Ethinylestradiol möglich ist, immer mit einem Einphasenpräparat erfolgen. Andere kombinierte Präparate können in Ausnahmefällen hilfreich sein, um eine ansonsten nicht stabile Zyklussituation zu kontrollieren.

Außerdem ist ein Vierphasenpräparat zur Kontrazeption erhältlich, das als einziges orales Kontrazeptivum natürliches Estradiol enthält. Vierphasenpräparat deshalb, da es in zwei Phasen nur Estradiolvalerat und in zwei Phasen eine Kombination aus verschiedenen Dosierungen Gestagen (Dienogest) und Estradiol enthält. In den 26 Tagen mit hormonhaltiger Tabletteneinnahme sinkt die Östrogendosis stufenweise, während die Gestagendosis schrittweise ansteigt.

Orale Gestagen-Monopräparate (Minipille)

Neben den kombinierten oralen Präparaten gibt es auch orale Gestagen-Monopräparate (= Minipille). Diese werden kontinuierlich ununterbrochen eingenommen und enthalten jeden Tag dieselbe Dosierung eines Gestagens. Die freigesetzten Hormonmengen sind deutlich geringer als bei der Einnahme von kombinierten oralen Kontrazeptiva. Insbesondere Frauen, die unter starker Dysmenorrhö leiden, können von der Einnahme der Minipille profitieren, da uterine Krämpfe dadurch deutlich reduziert werden können.3

Die kontrazeptive Wirkung beruht hier in erster Linie auf der Beeinflussung des Zervixsekretes und einer Behinderung der Spermienmigration. Weiterhin werden eine Beeinflussung des Endometriums und damit Minderung der Implantationsmöglichkeiten sowie eine Hemmung der Tubenmotilität und damit Hemmung des Eitransportes diskutiert.

Die Minipille wirkt erst nach 14 Tagen. Ein Einnahmefehler hat jeweils eine 7-tägige Phase mit fehlendem Schwangerschaftsschutz zur Folge. Ein weiterer Nachteil ist, dass sie täglich sehr verlässlich zu derselben Uhrzeit eingenommen werden muss (auf drei Stunden genau) und eine ungünstige Blutungsstabilität aufweist. Minipillen mit 75 µg Desogestrel, der 1,25fachen Ovulationshemmdosis, können als einzige Minipillen zusätzlich zu den oben genannten Veränderungen die Ovulation hemmen.2

  • 1.

    Wiegratz, I., & Thaler, C. (2011, Jul). Hormonal contraception: what kind, when, and for whom? Dtsch Arztebl Int, 108(28-29), pp. 495-506.

  • 2.

    Ludwig, M. (2015). Hormonelle Kontrazeption (2., aktualisierte Ausg.). Hamburg: optimist.

  • 3.

    Ahrendt, H. (2009). Estrogenfreie hormonale Kontrazeption: Gestagen-only-Systeme. Gynakol Geburtsmed Gynakol Endokrinol, 5(3), S. 152–66.