Estradiol bei Männern

Bei Männern werden 80 % des Estradiols in peripheren Geweben durch die Aromatisierung von Testosteron gebildet. 20 % werden von den Leydig’schen Zwischenzellen im Hoden produziert.1


Warum wird Estradiol auch von Männern gebildet?

Estradiol wird aus dem männlichen Sexualhormon Testosteron gebildet. Dieser Schritt wird durch die Aromatase katalysiert, die daher auch das Verhältnis zwischen Testosteron und Estradiol im Körper regulieren kann.2 Zudem kann Estradiol im Hypothalamus durch einen negativen Rückkopplungsmechanismus auf die Gonadotropin-Ausschüttung und somit die Testosteronproduktion einwirken.1

Obwohl Estradiol zu den weiblichen Sexualhormonen zählt, konnte gezeigt werden, dass seine Wirkung für die männliche Sexualfunktion von großer Bedeutung ist.3 Das Gleichgewicht zwischen Testosteron und Estradiol ist wichtig für die Entwicklung und die Sexualfunktionen des Mannes. Erhöhte Estradiolwerte können während der Entwicklung zu Hypogonadismus führen und im Erwachsenenalter reduzierte Spermienproduktion, Erektionsstörungen und reduzierte Libido verursachen.3

Östrogenrezeptoren sind in der Vaskulatur des Penis vorhanden und regulieren u. a. die venöse vaskuläre Permeabilität, die wichtig für die erektile Funktion ist. So konnte bei Patienten mit erektiler Dysfunktion ein erhöhter Estradiolspiegel nachgewiesen werden.3

Wie bei Frauen spielt Estradiol zudem eine wichtige Rolle beim Knochenwachstum und dem Erhalt der Knochenmasse. Estradiol stimuliert das Schließen der Hypophysenfugen und hemmt die Heranreifung von Osteoklasten, welche für den Knochenabbau zuständig sind.2

Außerdem wirkt es positiv auf die Durchblutung ein, da es die Proliferation der glatten Muskulatur und die Dilatation von Blutgefäßen mittels Freisetzung von Stickoxid fördert. In der Leber fördert Estradiol schließlich die Produktion von Fibrinogen und Gerinnungsfaktoren und hat somit eine prokoagulatorische Wirkung.2

  • 1.

    Vermeulen, A., Kaufman, J. M., Goemaere, S., van Pottelberg, I. (2002, Jun). Estradiol in elderly men. The Aging Male, 5 (2), pp. 98-102.

  • 2.

    Aktories, K., Förstermann, U., Hofmann, F.B., Starke, K. (2005). Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. Elsevier GmbH, Urban & Fischer Verlag, 9. Auflage.

  • 3.

    Schulster, M., Bernie, A. M., Ramasamy, R. (2016, May-Jun). The role of estradiol in male reproductive function. Asian J Androl. 18 (3), pp. 435-40.