Andrologie, Testosteronmangel

Die Rolle der Gebrechlichkeit im Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel und Sterberisiko bei älteren Männern

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Zusammenfassung der Studie "The role of frailty in the association between testosterone levels and mortality risk in older men." von 2026.

Veröffentlicht am 25.02.2026

Originalbeitrag erschienen bei andrologen.info | andro.topics

Hintergrund

Testosteron spielt eine wichtige Rolle im männlichen Alterungsprozess. Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein Testosteronmangel aufgrund seiner Rolle bei der Aufrechterhaltung von Muskelkraft, körperlicher Funktion und allgemeiner Vitalität zur Entwicklung von Gebrechlichkeit (Frailty) beitragen kann. Daher könnte Gebrechlichkeit als wichtiger Mediator im Zusammenhang zwischen Testosteron und Mortalität fungieren. Diese Studie untersuchte die vermittelnde Rolle der Gebrechlichkeit im Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel und der Gesamtmortalität sowie der kardiovaskulären Mortalität bei älteren Männern.

Teilnehmer/Methoden 

In die Auswertung kamen Daten von 1.478 Männern (≥60 Jahre) aus der National Health and Nutrition Examination Survey (2011–2016). Mithilfe von Cox-Regressionsmodellen wurde der direkte Zusammenhang zwischen Testosteron und Mortalität untersucht. Um indirekte Effekte über den Gebrechlichkeitsindex (FI) zu quantifizieren, wurden Mediationsanalysen durchgeführt und der Anteil der vermittelten Effekte als Verhältnis des indirekten zum Gesamteffekt berechnet.

Ergebnisse 

Cox-Regressionsanalysen ergaben einen signifikanten inversen Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel und Gesamtmortalität sowie kardiovaskulären Mortalität. Höhere Testosteronwerte waren mit einem geringeren Risiko für die Gesamtmortalität (HR=0,892, 95% KI: 0,830–0,959, p=0,002) und die kardiovaskuläre Mortalität (HR=0,820, 95% KI: 0,715–0,939, p=0,004) assoziiert. Der Frailty-Score war stark mit der Gesamtmortalität (HR 1,648 pro 0,1 Anstieg) und der kardiovaskulären Mortalität (HR 1,723 pro 0,1 Anstieg) assoziiert.
In den durchgeführten Mediationsanalysen zeigte sich, dass Testosteron hinsichtlich der Gesamtmortalität signifikant mit niedrigeren Gebrechlichkeitswerten und die Gebrechlichkeit signifikant mit einem höheren Sterberisiko assoziiert waren. Nach Anpassung an den Gebrechlichkeitsfaktor war der direkte Einfluss von Testosteron stark abgeschwächt und nicht mehr statistisch signifikant. Der indirekte Weg über die Gebrechlichkeit machte etwa 35,9% des Gesamteffekts für die Gesamtmortalität aus.
Hinsichtlich der kardiovaskulären Mortalität zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen Testosteron und Gebrechlichkeit. Höhere Testosteronwerte waren mit geringerem Risiko für kardiovaskuläre Mortalität verbunden, ein erhöhter Frailty-Score sagte ein deutlich erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Mortalität voraus. Frailty machte 21,7% des Gesamteffekts für kardiovaskuläre Mortalität aus.

Zusammenfassung

Die Studienergebnisse zeigen, dass Gebrechlichkeit den Zusammenhang zwischen Testosteron und der Gesamtmortalität sowie der kardiovaskulären Mortalität bei älteren Männern signifikant beeinflusst. Nach Anpassung an den Gebrechlichkeitsfaktor wird der direkte Einfluss des Testosterons auf die Sterblichkeit stark abgeschwächt und ist nicht mehr statistisch signifikant. Die Ergebnisse unterstreichen die enge Verflechtung von Hormonstatus, physiologischer Reserve und Überleben.

Kernaussagen

  • Gebrechlichkeit vermittelt signifikant den Zusammenhang zwischen Testosteron und Mortalität bei älteren Männern.
  • Höhere Testosteronwerte sind mit einer niedrigeren Gesamtmortalität sowie einer geringeren Mortalität durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert.
  • Männer mit niedrigen Testosteronwerten sind anfälliger für Muskelschwund, reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit und Gebrechlichkeit, was ihr Leben verkürzt.
  • Die Ergebnisse unterstreichen Gebrechlichkeit als wichtigen Ansatzpunkt für therapeutische Interventionen bei älteren Männern mit niedrigen Testosteronspiegeln.

Literatur:
Zhang P, et al. 2026. The role of frailty in the association between testosterone levels and mortality risk in older men. Maturitas 206 (2026) 108834, doi.org/10.1016/j.maturitas.2026.108834.