Hormonersatztherapie (HRT) und Gallenblasenerkrankungen

Eine Hormonersatztherapie ist mit einem erhöhten Risiko für Gallenblasenerkrankungen und Cholezystektomien assoziiert1,2.


Risiko für Gallenblasenerkrankungen bei Anwendung einer Hormontherapie

Im Jahre 1994 wurde aus der Nurses Health Study3 von in etwa einer Verdopplung des Cholezystektomie-Risikos unter einer laufenden HRT berichtet, eine signifikante Risikoerhöhung war auch nach Behandlungsende noch nachweisbar. Die im Januar 2005 veröffentlichte Auswertung beider WHI-Hormonarme4 ergab eine signifikante Steigerung des Risikos für Gallenaffektionen um 60–70 %. Das erhöhte relative Risiko betraf Gallenblasen- und Gallensteinerkrankungen sowie Cholezystektomien in etwa gleichermaßen. Die absoluten Zahlen waren aufgrund der ungünstigeren Risikostruktur im CEE-Arm höher als im CEE-MPA-Arm (CEE = konjugierte equine Östrogene, MPA = Medroxyprogesteronacetat). Die WHI-Autoren verwiesen auf zusätzlichen Studienbedarf, um das Risiko im Zusammenhang mit einer transdermalen Verabreichung von Estradiol zu bestimmen.

Auch in der prospektiven Kohortenstudie „The Swedish Mammography Cohort“, die in Schweden Daten von 27.892 Frauen zwischen 1997 und 2011 auswertete, wurde ein erhöhtes Risiko für Cholezystektomien bei Anwendung einer HRT beobachtet5. Das am meisten verwendete Regime war zu dieser Zeit in Schweden orales Estradiol in Kombination mit synthetischen, vom Testosteron abstammenden Gestagenen.

Orale versus transdermale Anwendung

2008 wurde aus der Million-Frauenstudie6, einer englisch-schottischen Kohortenstudie mit insgesamt mehr als 1,3 Millionen Frauen im Alter zwischen 50 und 69 (im Mittel 56) Jahren, berichtet, dass im Vergleich zu Nichtanwenderinnen von Hormonen zwar auch die derzeitige Anwendung von transdermalem Estradiol mit einem signifikanten Risiko hinsichtlich Gallenblasenerkrankungen (RR 1,17; 95%-KI 1,10–1,24) und Cholezystektomien (RR 1,18; 95%-KI 1,10–1,27) verbunden war, dass dieses Risiko jedoch wesentlich geringer ausfiel im Vergleich zu einer oralen HRT (RR 1,74; 95%-KI 1,68–1,80).

Eine Auswertung der französischen E3N-Kohortenstudie7 legte ein erhöhtes Risiko für Cholezystektomien bei Frauen dar, die eine orale Östrogentherapie anwendeten, insbesondere bei Regimen ohne zusätzliche Gestagengabe. Kein erhöhtes Risiko wurde bei der Anwendung eines transdermalen Östrogens beobachtet. Diese Beobachtung korrespondiert mit den Ergebnissen der Million-Frauenstudie7.

  • 1.

    NAMS (The North American Menopause Society). (2017, Jun). The 2017 hormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause: The Journal of The North American Menopause Society, 24(7), pp. 728-53.

  • 2.

    Marjoribanks, J, et al.,(2017, Jan). Long-term hormone therapy for perimenopausal and postmenopausal women. Cochrane Database Syst Rev. Vol. 1, p. CD004143. Gynäkologie, Menopause.

  • 3.

    Grodstein, F, Colditz, GA and Stampfer, MJ. (1994, Jan). Postmenopausal hormone use and cholecystectomy in a large prospective study. Obstet Gynecol. Vol. 83, 1, pp. 5-11. Gynäkologie, Menopause.

  • 4.

    Cirillo, DJ, et al., (2005, Jan). Effect of estrogen therapy on gallbladder disease. JAMA. Vol. 293, 3, pp. 330-9. Gynäkologie, Menopause.

  • 5.

    Nordenvall, C., et al. (2014, Jan). Postmenopausal hormone replacement therapy and risk of cholecystectomy: a prospective cohort study. Scand J Gastroenterol, 49(1), pp. 109-13.

  • 6.

    Liu, B, et al., (2008, Jul). Gallbladder disease and use of transdermal versus oral hormone replacement therapy in postmenopausal women: prospective cohort study. BMJ. Vol. 337, p. a386. Gynäkologie, Menopause.

  • 7.

    Racine, A., et al. (2013, Apr). Menopausal hormone therapy and risk of cholecystectomy: a prospective study based on the French E3N cohort. CMAJ, 185(7), pp. 555-61.