Gynäkologie

Update Menopause: Aktuelle Evidenz und Empfehlungen der IMS

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Zusammenfassung der IMS-Empfehlungen zur Gesundheit von Frauen in der Lebensmitte und zur Menopause 2025.

Veröffentlicht am 02.06.2026

 

Die Vollpublikation mit Open Access finden Sie hier: https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/13697137.2025.2585487

Hintergrund

Nach fast einem Jahrzehnt (letztes Update 2016) hat die International Menopause Society (IMS) neue, evidenzbasierte Empfehlungen veröffentlicht. Angesichts einer Vielzahl qualitativ unterschiedlicher Informationen im Internet und in den sozialen Medien ist es das Ziel, Ärztinnen und Ärzten aktualisierte, evidenzbasierte Informationen für das individuell geeignete Management von wechseljahresbedingten Beschwerden an die Hand zu geben.

Methode

Die Methodik basierte auf einer strengen systematischen Literaturrecherche (Zeitraum 2016–2025) und nutzt die Frameworks GRADE sowie AGREE II zur Bewertung der Evidenzqualität und Empfehlungsstärke. Insgesamt wurden 341 Empfehlungen und 38 Kernbotschaften von einer internationalen Expertengruppe erarbeitet. 

Auszüge aus den Empfehlungen

Die IMS hat Empfehlungen zu insgesamt 29 Themen verfasst. Diese decken u.a. die Bereiche Lebensstil, menopausale Symptome und Beschwerden, menopausale Hormontherapie (MHT), kardiometabolische Gesundheit, Knochengesundheit, kognitive und psychische Aspekte sowie onkologische Fragestellungen ab. Im Folgenden sind einige Auszüge dargestellt, die speziell im Zusammenhang mit einer MHT stehen. Die vollständigen Empfehlungen zu allen Kapiteln können der Vollpublikation entnommen werden.

Körperliche Veränderungen in der Lebensmitte 

  • Die Gewichtszunahme bei Frauen in den Wechseljahren ist überwiegend auf den chronologischen Alterungsprozess und altersassoziierten Rückgang des Gesamtenergieverbrauchs zurückzuführen. ++++ KM
  • Abfall der Estrogenspiegel: Haupttreiber der Umverteilung des Körperfetts hin zu einer vermehrten abdominalen Fettakkumulation. ++++ KM
  • MHT: Sie lindert menopausale Symptome effektiv, hat jedoch keinen klinisch relevanten direkten Einfluss auf das Körpergewicht. ++++ KM
  • MHT: Sie kann die Veränderungen der Körperfettverteilung in den Wechseljahren abschwächen und die Insulinresistenz dosis- und formulierungsabhängig senken, aber sie ist hierfür nicht angezeigt.

Vasomotorische Symptome (VMS) 

  • MHT: Die wirksamste verfügbare Behandlung vasomotorischer Symptome. Sofern verfügbar, sollte sie daher Frauen mit lästigen VMS angeboten werden, die keine wesentlichen Kontraindikationen aufweisen oder keine Abneigung gegen MHT haben. ++++ A
  • Die MHT bleibt der „Gold Standard“ für Hitzewallungen in den Wechseljahren bei gesunden Frauen mit Symptomen, wenn sie kurz vor der Menopause begonnen wird. Für Frauen mit Gesundheitsproblemen, die als starke Kontraindikationen für eine MHT gelten, oder für Frauen, die keine MHT anwenden können oder wollen, sind jedoch nicht-hormonelle pharmakologische Therapien erforderlich. KM

Osteoporose und Gelenke 

  • Postmenopausale Osteoporose und Knochenbrüche sind vermeidbare, schwerwiegende Gesundheitsprobleme, die zu selten diagnostiziert und behandelt werden. ++++ B
  • MHT: Erstlinientherapie zur Prävention des menopauseassoziierten Knochenverlusts. Der Nutzen überwiegt wahrscheinlich die potenziellen Risiken bei Therapiestart < 10 Jahre nach Menopause bzw. vor 60. Lebensjahr. Die MHT reduziert nachweislich das Risiko osteoporosebedingter Frakturen. +++O A

Kardiometabolisches System 

  • Frauen < 60 Jahre, in der frühen Postmenopause ohne manifeste kardiovaskuläre Erkrankung: Estrogentherapie reduziert das Risiko für koronare Herzkrankheit (KHK) sowie der Gesamtmortalität (wenn MHT vor dem 60. Lebensjahr/innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause initiiert wird). ++++ A
  • Präventive Wirkungen der MHT wie die Reduktion der Inzidenz neu auftretenden Diabetes mellitus, Verringerung von Osteoporose, Frakturen, kolorektalem Karzinom, kardiovaskulären Erkrankungen und der Gesamtmortalität sollte bei Frauen unter 60 Jahren ohne bekannte kardiovaskuläre Erkrankung in die individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung einbezogen werden. +++O A

Gerinnung: Venöse Thromboembolie 

  • Orale Estrogentherapie: Assoziert mit einem erhöhten Risiko für venöse Thromboembolien (VTE), sollte bei erhöhtem VTE-Risiko nicht angewendet werden. ++++ A
  • Transdermale Estrogentherapie: Nicht mit einem erhöhten VTE-Risiko assoziiert, auch nicht bei Vorliegen zusätzlicher Risikofaktoren wie Adipositas, hereditärer Thrombophilie oder einer VTE in der Anamnese. +++O B
  • Es wird empfohlen, Gestagene mit einem günstigen Sicherheitsprofil zu verwenden, wie mikronisiertes Progesteron, Dydrogesteron oder ein Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem. +++O B

Gynäkologische Krebserkrankungen: Brustkrebs, Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom)

  • Das Risiko scheint bei mikronisiertem Progesteron oder bei Dydrogesteron geringer zu sein als bei anderen synthetischen Gestagenen, was mit einem besseren Risikoprofil für Brustkrebs als bei anderen synthetischen Gestagenen in Verbindung gebracht werden könnte. +++O B
  • Das durch MHT bedingte Brustkrebsrisiko ist gering und entspricht in etwa dem erhöhten Risiko, das mit üblichen Lebensgewohnheiten wie mangelnder körperlicher Aktivität, Übergewicht und Alkoholkonsum einhergeht, oder liegt sogar darunter. ++++ A

Lebensqualität – psychosoziale/psychologische/kognitive Gesundheit

  • Kognition: Außer bei vorzeitiger Ovarialinsuffizienz oder vorzeitiger Menopause wird eine MHT zur Vorbeugung oder Behandlung kognitiver Beeinträchtigungen in keinem Alter empfohlen. ++++ A Die MHT hat in der natürlichen frühen Postmenopause neutrale Auswirkungen auf die Kognition. ++++ A

  • HCP sollten sich bewusst sein, dass Schlafstörungen während der Wechseljahre mit zahlreichen gesundheitlichen Folgen verbunden sind, darunter Stimmungs- und Kognitionsveränderungen sowie Alzheimer, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und eine erhöhte Gesamtmortalität. +++O B

  • Transdermales Estrogen kann die Schlafqualität bei Frauen in der Perimenopause verbessern, und zwar über seine Wirkung auf VMS und andere Beschwerden hinaus. ++OO C

  • Die Einnahme von mikronisiertem Progesteron vor dem Schlafengehen verbessert verschiedene Schlafparameter bei postmenopausalen Frauen. ++OO C

S3-Leitlinien zur Peri- und Postmenopause2

Auch die S3-Leitlinie zur Peri- und Postmenopause enthält zahlreiche Empfehlungen zur Gesundheit peri- und postmenopausaler Frauen. Allerdings ist die derzeitige Leitlinie abgelaufen und die neue in Bearbeitung. Es bleibt daher abzuwarten, ob es hier aufgrund neuer Daten zu Änderungen kommen wird.

Legende

Qualität der Evidenz zur Verlässlichkeit der zugrunde liegenden wissenschaftlichen Daten: 

Hoch: ++++

Moderat: +++O

Gering: ++OO

Sehr gering: +OOO

Grad der Empfehlungen:A bis D. Eine starke Empfehlung (A) kann auch bei moderater Evidenz ausgesprochen werden, wenn der Nutzen klar überwiegt.

KM (Key Messages): stellen evidenzbasierte Kernaussagen dar, ohne konkrete Handlungsempfehlung 

Referenzen

  1. Panay N et al (IMS Publication Steering Committee) and The IMS Recommendations      Writing Group: International Menopause Society (IMS) recommendations and key messages on women's midlife health and menopause. Climacteric. 2025;28(6):634-656.
  2. S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen Version 1.1 – September 2020, gültig bis 31.12.2024 (in Überarbeitung) AWMF-Registernummer 015-062