Estron im Überblick

Estron gehört wie Estradiol zu den Östrogenen und somit zu den C18-Steroidhormonen, deren Grundgerüst auf 18 Kohlenstoffatomen basiert (Abb. 1).1


Wo wird Estron gebildet?

Estron ist nach Estradiol das zweitstärkste Östrogen der Frau. Der Hauptanteil an Estron wird in den Ovarien gebildet, darüber hinaus entstehen 20–30 % extraglandulär im Fettgewebe und in der Nebennierenrinde.2

Strukturformel von Estron

Abbildung 1: Strukturformel von Estron.

Wie wird die Bildung von Estron reguliert?

Estron wird durch eine Konversion von Androstendion und Dehydroepiandrosteron (DHEA) gebildet, wofür ebenfalls die Aromatase zuständig ist.1 Die Synthese von Estron ist folglich von den männlichen Sexualhormonen, den Androgenen, abhängig.3 Zudem können Estradiol und Estron ineinander umgewandelt werden. Bei fertilen Frauen sind die Plasmaspiegel von Estradiol und Estron ähnlich hoch.4

Die Bildung von Androstendion und DHEA wird durch die Ausschüttung des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) aus dem Hypothalamus und der dadurch induzierten Sekretion des luteinisierenden Hormons (LH) durch die Hypophyse stimuliert.5 Zudem stimuliert das GnRH die Ausschüttung des follikelstimulierenden Hormons (FSH) durch die Hypophyse. FSH induziert dann die Aktivität der Aromatase und somit die Umwandlung von Androstendion und DHEA zu Estron.3  

Bei prämenopausalen Frauen wird mehr Estradiol als Estron gebildet. Nach der Menopause fällt die Estradiol- und Estronproduktion durch die Ovarien ab und es kommt zu einer Verschiebung des Estradiol-/Estrongleichgewichts.6 Die absolute Estronkonzentration ist somit höher als jene von Estradiol. Estron wird in dieser Lebensphase fast zu 100 % im Unterhautfettgewebe produziert.6,7

Was sind die Normserumwerte von Estron?

Die Normwerte für Estron liegen im Blutserum zyklusabhängig zwischen 37,2 und 229,2 ng/l und können nach der Menopause auf 14,1 bis 102,6 ng/l absinken (Tab. 1).8

Tabelle 1: Normserumwerte von Estron

Normserumwerte Estron
Frauen (prämenopausal) 37,2–229,2 ng/l
Frauen (postmenopausal) 14,1–102,6 ng/l

Im Gegensatz zu Estradiol, welches im Blut zu 69 % an das sexualhormonbindende Globulin (SHBG) gebunden ist, kann Estron nicht von SHBG gebunden werden.9 Jedoch wird Estron durch die Aktivität einer Sulfotransferase häufig zu Estronsulfat metabolisiert, das eine Speicherform für die Östrogensynthese darstellt und selbst kaum eine biologische Aktivität aufweist.7 Zudem wird Estron zu Glukuronid konjugiert.10,11

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