Welche Rolle spielt Progesteron bei Embryotransfer in Kryozyklen?

Progesteron bereitet in der ersten Phase einer Schwangerschaft den Uterus auf den Embryo vor und senkt damit das Risiko für eine Fehlgeburt. Wann die Indikation für die Progesteron-Substitution im Rahmen des Transfers von aufgetauten Embryonen (engl.: Frozen-thawed Embryo Transfer; FET) angezeigt und wie dabei vorzugehen ist, erfahren Sie hier in Teil 1 des Beitrags.


 

Indikationen für Embryotransfer in Kryozyklen

Kryokonservierung – beispielsweise im Rahmen des Polyzystischen Ovarialsyndroms oder vor einer onkologischen Behandlung – sowie der Embryotransfer von aufgetauten Embryonen, kurz FET genannt, sind heutzutage gängige Verfahren der assistierten Reproduktionstherapie (ART). Etwa ein Drittel aller Behandlungen in Deutschland sind in einem Auftauzyklus durchgeführt worden, mit steigender Tendenz. [1]

Vorteile dieser Vorgehensweise sind insbesondere eine Risikoreduzierung des ovariellen Überstimulationssyndroms (engl.: Ovarian Hyperstimulation Syndrome; OHSS) sowie eine reduzierte Mehrlingsrate. [2] Daneben sind auch genetische Prädispositionen von Paaren mit Kinderwunsch oder eine prämature Ovarialinsuffizienz Gründe für die Wahl der FET-Vorgehensweise. [3]

Laut des Deutschen IVF-Registers (DIR) betrug die Schwangerschaftsrate im Frischzyklus 2018 32,1 %, im Auftauzyklus lag sie hingegen bei 29,1 %. [1] Die Suche und Erforschung von Stellschrauben, anhand derer die Erfolgsrate von Kryozyklen optimiert werden könnten, bleibt damit ein wichtiges Unterfangen der ART.

Segmentiertes therapeutisches Vorgehen

Um das Risiko eines OHSS so gering wie möglich zu halten und trotzdem den Kinderwunsch der Patientin zu realisieren, hat sich im Rahmen der IVF (In-Vitro-Fertilisation) laut Devroey et al. folgendes dreistufiges Konzept bewährt:

  • Segment A: Optimierung der ovariellen Stimulation, einschließlich der Auslösung von GnRH-Agonisten in einem GnRH-Antagonisten-Zyklus [4]
  • Segment B: optimale Kryokonservierungsmethoden für die Vitrifikation von Eizellen oder Embryonen [4]
  • Segment C: Embryotransfer in ein rezeptives, nicht stimuliertes Endometrium in einem natürlichen Zyklus oder mit künstlicher Vorbereitung des Endometriums. [4] Die künstliche Endometrium-Präparation kann unter hormonaler Stimulation erfolgen (z. B. mit hCG [5] oder Clomifen [6]) oder in künstlichen Zyklen (mit Estradiol und Progesteron [5]).
    Bislang konnten Studien keine Unterschiede hinsichtlich der Schwangerschaftsraten nach FET zwischen den drei verschiedenen Varianten feststellen und zeigten vergleichbare Ergebnisse. [5,7]

 

Prädiktor: endometriale Rezeptivität

Im Rahmen der Optimierung von IVF spielen Prädiktoren eine ausschlaggebende Rolle. Neben dem Alter der Frau und der Beurteilung der ovariellen Reserven, ist zudem die endometriale Rezeptivität ein signifikanter Prädiktor. [6] Dabei ist unter anderem entscheidend, wie dick sich das Endometrium ausbildet, dies kann über eine sonografische Messung erfasst werden. Bei Werten < 6 mm ist die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit im Rahmen von IVF reduziert. [8] Aus diesem Grund wird eine Dicke von > 7 mm angestrebt. [9] Die Proliferation des Endometriums, zur Vorbereitung der Implantation des Embryos, kann durch eine Erhöhung des Estradiols unterstützt werden. [10]

Progesteron in künstlichen Kryozyklen

Progesteron ist in künstlichen Kryozyklen fester Bestandteil in den Behandlungsregimen, während es in natürlichen Zyklen und in Zyklen unter hormonaler Stimulation nach dem Embryotransfer optional supplementiert werden kann. [11]

Ein optimales, universell einsetzbares Protokoll für die Progesteron-Supplementierung in FET-Zyklen existiert derzeit nicht. [10] Daher werden verschiedene Regime angewandt, wie z. B. der Beginn der Progesteron-Supplementierung: [10]

  • an Zyklustag 3 mit FET an Zyklustag 3,
  • an Zyklustag 4 mit FET an Zyklustag 3,
  • an Zyklustag 5 mit FET an Zyklustag 5 oder
  • an Zyklustag 6 mit FET an Zyklustag 5.



Wie der Erkenntnisstand zur optimalen Dauer der Progesteron-Supplementierung aktuell aussieht und wie durch die Messung des Progesteron-Serumspiegels die Geburtenrate in Kryozyklen verbessert werden kann, erfahren Sie im 2. Teil des Beitrags.


Referenzen

[1] Jahrbuch 2018. Deutsches IVF-Register. J Reproduktionsmed Endokrinol. 16. Jahrgang 2019. Modifizierter Nachdruck aus Nummer 6: 279–315.
[2] Eftekhar M, Rahsepar M, Rahmani E. Effect of progesterone supplementation on natural frozen-thawed Embryo transfer cycles: a randomized controlled trial. Int J Fertil Steril 2013; 7(1):13-20.
[3] Zarei A, Sohail P, Parsanezhad M E et al. Comparison of four protocols for luteal phase support in frozen-thawed Embryo transfer cycles: a randomized clinical trial. Arch Gynecol Obstet 2017; 295:239-246.
[4] Devroey P, Polyzos NP, Blockeel C. An OHSS-free clinic by segmentation of IVF treatment. Human -Reproduction 2011; 26 (10):2593-2597.
[5] Agha-Hosseini M, Hashemi L, Aleyasin A, et al. Natural cycle versus artificial cycle in frozen-thawed embryo transfer: A randomized prospective trial. Turkish journal of obstetrics and gynecology 2018; 15(1):12-17.
[6] Ghobara T, Gelbaya TA, Ayeleke RO. Cycle regimens for frozen-thawed embryo transfer. Cochrane Database of Systematic Reviews 2017, Issue 7. Art. No.: CD003414. DOI: 10.1002/14651858.CD003414.pub3.
[7] Le QV, Abhari S, Abuzeid OM et al. Modified natural cycle for embryo transfer using frozen-thawed blastocysts: A satisfactory option. European journal of obstetrics, gynecology, and reproductive biology 2017; 213:58-63.
[8] Mahajan N, Sharma S. The endometrium in assisted reproductive technology: How thin is thin? J Hum Reprod Sci 2016; 9(1): 3–8.
[9] Liu KE, Hartmann M, Hartmann A et al. The impact of a thin endometrial lining on fresh and frozen–thaw IVF outcomes: an analysis of over 40000 embryo transfers. Human Reproduction 2018; 33 (10): 1883–1888.
[10] Shapiro D, Boostanfar R, Silverberg K et al. Examining the evidence: progesterone supplementation during fresh and frozen embryo transfer. Reproductive biomedicine online 2014; 29(1):1-14; 15-16.
[11] Ghobara T, Gelbaya TA, Ayeleke RO. Cycle regimens for frozen-thawed embryo transfer. Cochrane Database Syst Rev 2017;7(7):CD003414.


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