Verhütungs-Apps trotz aktueller FDA-Zulassung nicht empfehlenswert

Im August 2018 wurde von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA (Food and Drug Administration) die App „Natural Cycles“ als Verhütungsmittel zugelassen. [1,2,3] Sie wurde von einem schwedischen Unternehmen entwickelt und ist eine der populärsten Apps dieser Art. Von den Machern wird sie als sehr genau und als klinisch getestete Alternative zu anderen Geburtenkontrollmethoden angepriesen. [4]


Berufsverband der Frauenärzte e.V. warnt vor Verhütungs-Apps


In Deutschland ist man jedoch nicht überzeugt von der Zuverlässigkeit und Genauigkeit einer solchen App und dies aus gutem Grund: „Die Berechnungen der App, fruchtbare und unfruchtbare Tage zu unterscheiden, sind unzuverlässig. Die wissenschaftlichen Studien, die die Anbieter bisher veröffentlicht haben, haben schwerwiegende Mängel“, heißt es in der Pressemitteilung des Berufsverbandes der Frauenärzte e.V. (BVF) vom 16.08.2018. „Die Frauenärztinnen und -ärzte in Deutschland raten weiterhin davon ab, diese App als sichere Verhütung von Schwangerschaften zu verwenden.“ [2]

Der Kritik des BVF hat sich auch die Sektion Natürliche Fertilität der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin angeschlossen. Sie konkretisieren die vom BVF aufgeführten Punkte und monieren, dass es sich bei „Natural Cycles“ um eine reine Prognose-App handelt, die nur eine unsichere Vorhersage der fruchtbaren Tage trifft. Es findet keine Ermittlung der fruchtbaren Zeit aus Symptomen des aktuellen Zyklus statt. [5]

Nicht nur in Deutschland wird die App kritisch gesehen, auch in Großbritannien gibt es Bedenken. Daher hat die britische Werbeaufsicht dem Anbieter untersagt, die App auf Facebook als sehr sicheres Verhütungsmittel zu bewerben, da „Natural Cycles“ keine mit einem hormonellen oder nicht hormonellen Intrauterinpessar oder der Pille vergleichbar sichere Verhütungsmethode darstellen würde. [4,6]

Der BVF warnt allerdings nicht nur vor „Natural Cycles“, auch die meisten anderen Verhütungs-Apps sind aus seiner Sicht zu unsicher. Laut BVF steht aktuell keine ausreichend zuverlässige App in deutscher Sprache zur Verfügung. Um eine sichere Verhütung zu gewährleisten, sollten Frauen nur Apps verwenden, die neben der Temperaturmessung auch eine Untersuchung des Zervixschleims abfordern und außerdem eine evidenzbasierte Methodik zur Auswertung nutzen. [3,6]

BVF hält Gesundheits-Apps nicht per se für schlecht


Trotzdem werden digitale Lösungen im Gesundheitsbereich auch bei den deutschen Frauenärzten als wichtig angesehen. Das hebt auch der BVF hervor: „Generell begrüßen die niedergelassenen Frauenärzte die Digitalisierung und den unterstützenden Einsatz geeigneter Apps in der Arzt-Patienten-Beziehung“, äußerte sich BVF-Präsident Dr. Christian Albring diesbezüglich. [6]

Referenzen


[1] FDA (Food and Drug Administration): Pressemitteilung, 10.08.2018. https://www.fda.gov/newsevents/newsroom/pressannouncements/ucm616511.htm, letzter Zugriff 09.10.2018.

[2] Berufsverband der Frauenärzte e.V.: Pressemitteilung, 16.08.2018. http://www.bvf.de/presse_info.php?r=2&m=0&s=0&artid=572, letzter Zugriff 25.09.2018.

[3] Deutsches Ärzteblatt: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/97169/FDA-erlaubt-Vermarktung-von-Verhuetungs-App-Frauenaerzte-warnen, 17.08.2018.

[4] Digital Health Intelligence Ltd.: https://www.digitalhealth.net/2018/09/natural-cycles-facebook-ad-banned/, letzter Zugriff 25.09.2018.

[5] Sektion Natürliche Fertilität der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin: https://sektion-natuerliche-fertilitaet.de/warnung-vor-fda-zugelassener-verhuetungs-app/, letzter Zugriff 28.09.2018.

[6] Ärzte-Zeitung: https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/e-health/article/971820/gesundheits-apps-patienten-zwischen-sicherheit-freiheit.html, 19.09.2018.


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