Vaginales Progesteron zur Prävention von Fehlgeburten

Progesteron spielt eine essenzielle Rolle für den Erhalt einer Schwangerschaft. [1,2] Den Ergebnissen zweier hochwertiger Studien zur Wirkung von vaginal verabreichtem Progesteron in der Ersttrimester-Anwendung zufolge, profitieren Frauen mit wiederkehrenden Fehlgeburten oder Blutungen während der Frühschwangerschaft von einer Progesteron-Behandlung. [1] Doch auch das Budget von Krankenkassen könnte profitieren. [2]


Progesteron und seine Bedeutung für die Schwangerschaft

Etwa 20–25 % aller Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt – einem Ereignis, das für die Schwangere tiefgreifende gesundheitliche und psychologische Auswirkungen hat. [2] Progesteron, ein Hormon, das im monatlichen Zyklus von den Eierstöcken und während der Schwangerschaft von der Plazenta produziert wird, ist von der Einnistung der befruchteten Eizelle bis zur Geburt des Babys essenziell für den Erhalt einer Schwangerschaft. [1,2]

Kam es nach einer Fehlgeburt zu einer weiteren Schwangerschaft, so wurde in der Vergangenheit häufig eine Ersttrimester-Behandlung mit Progesteron verschrieben, um einen weiteren Abort zu verhindern. Jedoch war diese Behandlungsmethode lange umstritten, weil die bisher durchgeführten Studien zu diesem Thema methodische Mängel aufwiesen und es so an evidenzbasierten Zahlen zur Wirkung von Progesteron zur Vermeidung von Fehlgeburten fehlte. [1]

Diese liefern nun die zwei doppelblinden, randomisierten, multizentrischen und Placebo-kontrollierten Studien PROMIS (PROgesterone in recurrent MIScarriagE) und PRISM (PROgesterone IN Spontaneous Miscarriage). Im Januar 2020 wurden genannte Studien in einem Review von Prof. Arri Coomarasamy von der Universität Birmingham (UK), der beide Studien leitete, zusammengefasst und evaluiert.

Die PROMISE-Studie liefert erste Evidenz [3]

In die PROMISE-Studie waren 836 Frauen mit wiederholten und nicht erklärbaren Fehlgeburten eingeschlossen. Die teilnehmenden Frauen wendeten möglichst bald nach erneut festgestellter Schwangerschaft (aber nicht später als in der sechsten Schwangerschaftswoche) Progesteron in einer Dosis von 400 mg 2-mal täglich bis zur zwölften Schwangerschaftswoche vaginal an. Das Ergebnis: Frauen in der Subgruppe mit vier oder mehr Fehlgeburten profitierten deutlich mehr von vaginal angewendetem Progesteron als Frauen in der Subgruppe mit bis zu drei erlittenen Fehlgeburten. In letzterer war der prozentuale Unterschied in der Lebendgeburtenrate mit 2,5 % nicht signifikant: Sie lag in der Progesteron-Gruppe bei 65,8 vs. 63,3 % in der Placebo-Gruppe. Die Frauen in der Gruppe mit vier oder mehr Fehlgeburten schienen stärker von der Behandlung mit vaginalem Progesteron zu profitieren, allerdings waren hier die Fallzahlen zu gering für eine abschließende Aussage.

PRISM-Studie stützt Ergebnisse [1]

Diese Erkenntnisse aus der Subgruppenanalyse der PROMISE-Studie zur Wirkung von Progesteron bei Frauen mit mehreren Fehlgeburten werden von den Subgruppen-Ergebnissen der PRISM-Studie gestützt.

Die PRISM-Studie untersuchte ebenfalls die Wirkung von Progesteron bei werdenden Müttern mit frühen Schwangerschaftsblutungen und drohendem Abort. Einbezogen waren über 4.000 Frauen zwischen 16 und 39 Jahren aus 48 Kliniken in Großbritannien. Anders als die Frauen, die in der Vergangenheit bereits Erfahrung mit Fehlgeburten machen mussten, profitierten Schwangere mit Blutungen, aber ohne vorangegangener Fehlgeburt, nicht von 400 mg 2-mal täglich vaginal bis zur 16. Schwangerschaftswoche angewendetem Progesteron. Die Lebendgeburtenrate in der 34. Schwangerschaftswoche oder darüber hinaus lag in der Verum-Subgruppe mit werdenden Müttern mit mindestens einer vorangegangenen Fehlgeburt und Blutungen im ersten Trimester hingegen bei 75 vs. 70 % in der Placebo-Gruppe. Schwangere Frauen mit frühen Schwangerschaftsblutungen, die in Folge drei oder mehr Fehlgeburten erlitten hatten, profitierten am meisten von der Progesteron-Behandlung: Hier lag die Lebendgeburtenrate bei 72 vs. 57 % in der Placebo-Gruppe. [1]

Ergebnisse mit wirtschaftlicher Relevanz

Eine ebenfalls im Januar 2020 veröffentlichte Studie von Ogwulu et al. befasst sich mit der wirtschaftlichen Relevanz der Ergebnisse aus der PRISM-Studie für den britischen National Health Service (NHS). [2] Denn eine erlittene Fehlgeburt hat nicht nur gravierende Auswirkungen auf die werdende Mutter und ihre Angehörigen, sondern auch auf das Budget der Krankenkassen. Die Forscher fanden heraus, dass die Gabe von Progesteron bei Frauen mit vorangegangenen Fehlgeburten und drohendem Abort eine für den NHS kosteneffektive Intervention darstellt. [2]

Unabhängig von einem möglichen Vorteil des NHS, stieg in Großbritannien nach Veröffentlichung der PRISM-Studie die Verordnung von Progesteron zur Vermeidung von Fehlgeburten von 13 auf 75 % an. [4]

Fazit für die Praxis

Das Thema vaginales Progesteron zur Vermeidung von Fehlgeburten kann wie folgt zusammengefasst werden:

  • Progesteron ist essenziell zum Erhalt der Schwangerschaft. [1,2]
  • Aborte kommen nicht selten vor: Etwa 20–25 % aller Schwangerschaften enden in einer Fehlgeburt. [2]
  • Vaginales Progesteron zur Vermeidung von Fehlgeburten wird bereits seit vielen Jahren angewendet, jedoch war diese Methode aufgrund der fehlenden evidenzbasierten Zahlen umstritten. [2]
  • Die PRISM- und die PROMISE-Studie zeigten, dass 400 mg Progesteron 2-mal täglich bis zur 16. Schwangerschaftswoche vaginal angewendet bei Frauen mit vorangegangenen Fehlgeburten und Blutungen in der Frühschwangerschaft die Lebendgeburtenrate erhöht hatte. [1]
  • Die Behandlung von werdenden Müttern mit vorangegangenen Fehlgeburten und Blutungen in der Frühschwangerschaft mit vaginalem Progesteron könnte sich auch für Krankenkassen rentieren. [2]

Referenzen

[1] Coomarasamy A, Devall AJ et al. Micronized vaginal progesterone to prevent miscarriage: a critical evaluation of randomized evidence. AJOG 2020; 223:167-176.
[2] Okeke Ogwulu CB, Goranitis I et al. The cost-effectiveness of progesterone in preventing miscarriages in wom-en with early pregnancy bleeding: an economic evaluation based on the PRISM Trial. BJOG 2020.
[3] Coomarasamy A, Devall AJ et al. A Randomized Trial of Progesterone in Women with Recurrent Miscarriages. N Engl J Med. 2015; 373:2141-2148.
[4] Thomas L. Experts think progesterone could prevent 8,500 miscarriages a year. News Medical Life Sciences, 2/2020. https://www.news-medical.net/news/20200202/Experts-think-progesterone-could-prevent-8500-miscarriages-a-year.aspx (abgerufen am 11.08.2020).


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