Vaginale Anwendung von Progesteron zur Prävention von Frühgeburten

Weltweit sind Frühgeburten die Haupttodesursache bei Kindern unter fünf Jahren. [1] Deutschland hat eine der höchsten Frühgeburtenraten in Europa. [2] Neue Ansätze zur Prävention von Frühgeburten sind angesichts dessen dringend erforderlich. [2] Wissenschaftler diskutieren zurzeit den Einsatz von vaginalem Progesteron. Welche Frauen von dieser Maßnahme profitieren können, wurde aktuell untersucht. [3,4]


Aufgrund seiner unterschiedlichen Wirkweisen und Wirkorte ist Progesteron von besonderem Interesse für die Verhütung von Frühgeburten. So hemmt das Geschlechtshormon die uterine Kontraktilität sowie die Zervixreifung und ist in der Lage, die Stabilität der Eihäute zu erhöhen. [2,5] Zudem steuert Progesteron die Dauer der Schwangerschaft, indem es als Gegenspieler zur „biologischen Uhr“ für den Geburtsbeginn, der plazentaren Produktion von CRH (Corticotropin-releasing hormon), fungiert. [2]

Indikationen von Progesteron bei Risikopatientinnen

Der Einsatz von Progesteron zur Verhütung von Frühgeburten ist ein Off-Label-Use, über dessen Möglichkeit die Schwangere aufgeklärt werden muss, der aber seit einigen Jahren als evidenzbasierte Maßnahme bei Risikopatientinnen Einzug in die Praxis gefunden hat und als sicher gilt. [2,3] Auch deutsche Experten [2] empfehlen aufgrund der Datenlage inzwischen den Einsatz bei Einlingsschwangerschaften für zwei Indikationen: Zum einen bei Frauen nach vorangegangener Frühgeburt (Progesteron vaginal, 200 mg/Tag oder 17-OHPC intramuskulär, 250 mg/Woche, 16–36 SSW) sowie bei Frauen mit sonographisch verkürzter Zervix ≤ 25 mm vor der 24+0 SSW (Progesteron vaginal, 200 mg/Tag, bis 36+6 SSW). [2]

Progesteron senkt effektiv die Frühgeburtsrate

Vaginales Progesteron verringert das Risiko einer Frühgeburt und in der Folge der neonatalen Morbidität und Mortalität in Einlingsschwangerschaften mit verkürzter Zervix ohne nachweislich schädliche Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung. [3] Zu diesem Ergebnis kam die aktuelle Metaanalyse (02/2018) von Romero et al. [3] Die Auswertung der Daten von 974 Frauen mit einer Zervixverkürzung ≤ 25 mm zeigte, dass das Frühgeburtsrisiko zu jedem Zeitpunkt zwischen der 28. und 36. Schwangerschaftswoche signifikant gesenkt werden konnte. [3,6]

Zudem wurden die Ergebnisse der spanischen Open-Label-Studie PESAPRO (10/2018) [4] veröffentlicht, welche die Wirksamkeit der vaginalen Progesteron-Gabe mit der des Zervikal-Pessars verglich. An 27 spanischen Krankenhäusern wurden 246 Patientinnen in die Intention-to-Treat-Analyse einbezogen, sowohl in der Pessar-Gruppe als auch in der Progesteron-Gruppe war die Rate der Spontangeburt vor der 34. Schwangerschaftswoche identisch und lag bei 14 %. [4]

Verträglichkeit und Applikationsweise von Progesteron

Im Rahmen der PESAPRO-Studie waren 27 % der Frauen der Pessar-Gruppe von vaginalen Beschwerden betroffen, verglichen mit nur 3 % in der Progesteron-Gruppe. [4] Obwohl in beiden Gruppen von der Mehrheit der Schwangeren über vaginalen Ausfluss berichtet wurde, war die Häufigkeit in der zervikalen Pessar-Gruppe mit 87 % höher als bei Schwangeren, die mit intravaginalem Progesteron behandelt wurden (71 %). [4]

Hinsichtlich der Nebenwirkungen der verschiedenen Applikationsweisen von Progesteron ist eine vaginale Gabe zu bevorzugen. [2–4] Die intramuskuläre Injektion von 17-OHPC kann zu lokalen Reaktionen wie Schmerzen, Blutergüssen und Juckreiz führen sowie zu Übelkeit und Diarrhö. [2] Progesteron oral appliziert kann dagegen häufiger Kopfschmerzen und Müdigkeit bei den betroffenen Frauen verursachen. [2] Die vaginale Anwendung von Progesteron ist hingegen sowohl mit einer geringeren Invasivität verbunden als auch mit einer erhöhten lokalen Bioverfügbarkeit durch die direkte Applikation über die vaginale Schleimhaut. [2]

Fazit

Der aktuelle Stand der Anwendung von Progesteron zur Prävention von Frühgeburten und deren Vorteile lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Schwangere müssen über die Möglichkeit des Off-Label-Use von Progesteron zur Prävention von Frühgeburten aufgeklärt werden. [2]
  • Die prophylaktische Anwendung von Progesteron gilt als sicher und führt bei Frauen mit Einlingsschwangerschaften und Zervixverkürzung oder nach einer vorangegangenen Frühgeburt zu einer signifikanten Senkung der Frühgeburtenrate und einer reduzierten perinatalen Mortalität und Morbidität. [2–3,5,6]
  • Die vaginale Anwendung von Progesteron ist im Vergleich zum zervikalen Pessar verträglicher. [4]
  • Hinsichtlich der Nebenwirkungen ist eine vaginale Applikation von Progesteron im Vergleich zur intramuskulären oder oralen zu bevorzugen. [2–4]

 

Referenzen

[1] World Health Organization: Preterm birth. Feb 2018 (http://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/preterm-birth).
[2] Kuon RJ, et al. Progesteron zur Prävention der Frühgeburt - Evidenz-basierte Indikationen. Z Geburtsh Neonatol 2015; 219:125-35.
[3] Romero R, et al. Vaginal progesterone for preventing preterm birth and adverse perinatal outcomes in singleton gestations with a short cervix: a meta-analysis of individual patient data. Am J Obstet Gynecol 2018 Feb; 218(2):161-180.
[4] Cruz-Melguizo S, et al. Cervical Pessary Compared With Vaginal Progesterone for Preventing Early Preterm Birth. Obstet Gynecol 2018; 132(4):907-915.
[5] Iams JD. Prevention of Preterm Parturition. N Engl J Med 2014; 370:254-261.
[6] Schleußner E. Prophylaxe der Frühgeburtenbestrebungen. Gynäkologische Praxis 2018; 43:741-743.


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