Testosteron: positive Effekte auf die Sexualität postmenopausaler Frauen

Laut einer neuen Metaanalyse wirkt sich die Behandlung von Frauen in den Wechseljahren mit Testosteron positiv auf deren Libido und die Sexualfunktion aus. [1]


Ein globales Konsensuspapier zur Testosterontherapie bei Frauen stellt einleitend fest, dass es keine klar etablierten Indikationen für eine Testosteronbehandlung von Frauen gibt, diese aber in der Praxis seit Jahrzehnten eingesetzt wird, um eine Vielzahl von Symptomen zu lindern. [2] Beispielsweise wird ein Behandlungsversuch bei ovarektomierten oder postmenopausalen Frauen mit krankhaft vermindertem sexuellem Interesse (HSDD) empfohlen. [3] Gleichzeitig gibt es bisher wenig Evidenz zu den Vor- und Nachteilen der Testosterontherapie bei Frauen. [2] Dies liegt vor allem daran, dass oftmals Testosteronpräparate zum Einsatz kommen, die für Männer getestet und entwickelt wurden und es in den meisten Ländern keine für Frauen zugelassenen Medikamente gibt. Um den möglichen Nutzen als auch die möglichen Risiken von Testosteron bei Frauen bewerten zu können, wurde nun die bis dato umfangreichste Metaanalyse zu diesem Thema im Juli 2019 veröffentlicht. [1]

Testosteron: signifikante Verbesserung der Sexualfunktion

Die Metaanalyse wertete 46 Berichte von 36 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 8.480 Studienteilnehmerinnen aus. Das Alter der Frauen lag zwischen 18 und 75 Jahren, die Mehrheit der Frauen war jedoch postmenopausal. [1]

Verglichen mit einem Placebo oder einem Vergleichspräparat verbesserte sich die Sexualfunktion bei Frauen, die unter Sexualstörungen litten, signifikant und führte bei postmenopausalen Frauen zu folgenden Ergebnissen: [1]

  • Zufriedenstellende Häufigkeit von sexuellen Ereignissen
  • Verbessertes sexuelles Verlangen und Orgasmusfähigkeit
  • Positivere Selbstwahrnehmung und weniger sexuelle Bedenken und Zweifel


Inwiefern Testosteron auch bei prämenopausalen Frauen eine Wirkung in diesem Bereich zeigt, konnte aufgrund der geringen Anzahl von Studienteilnehmerinnen und der entsprechenden Datenlage nicht festgestellt werden. [1]

Nebenwirkungen von Testosteron

Grundsätzlich wurden in der Metaanalyse keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet. Während die transdermale Verabreichung des Testosterons über Cremes oder Pflaster keine Auswirkungen auf die Blutfettwerte hatte, konnten bei der oralen Einnahme von Testosteron einige Veränderungen beobachtet werden: Neben einem signifikanten Anstieg des LDL-Cholesterin-Wertes zeigte sich gleichzeitig eine Senkung der Gesamtcholesterin-, HDL-Cholesterin- und Triglycerid-Werte. Daneben kam es unter der Einnahme von Testosteronpräparaten auch zu einer Gewichtszunahme und einer höheren Wahrscheinlichkeit, Akne zu entwickeln sowie an vermehrtem Haarwuchs zu leiden. [1]

Ob Testosteron auch eine Auswirkung auf die muskuloskelettale, kognitive und psychische Gesundheit von Frauen hat und inwiefern die Anwendung von Testosteronpräparaten als langfristige Therapie sicher ist, konnte aufgrund der Datenlage nicht beurteilt werden. [1]

Fazit

Das Thema Testosteron bei postmenopausalen Frauen kann wie folgt zusammengefasst werden:

  • Eine aktuelle Metaanalyse zeigt, dass der Einsatz von Testosteron bei postmenopausalen Frauen, die unter krankhaft vermindertem sexuellem Interesse leiden, effektiv ist. [1]
  • Aufgrund der negativen Auswirkungen auf das Lipidprofil ist es empfehlenswert Testosteron nicht oral, sondern transdermal anzuwenden, z. B. in Form von Cremes oder Pflastern. [1]
  • Zu den Effekten des Testosterons auf die kognitive, muskuloskelettale und psychische Gesundheit von Frauen sowie auf die Sexualfunktionen bei prämenopausalen Frauen müssen weitere Untersuchungen folgen, um Empfehlungen dazu treffen zu können. [1]

 

Referenzen

[1] Islam RM et al. Safety and efficacy of testosterone for women: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trial data. Lancet Diabetes Endocrinol, 2019. S2213-8587(19)30189-5.
[2] Davis SR et al. Global Consensus Position Statement on the Use of Testosterone Therapy for Women. J Clin Endocrinol Metab, 2019, 104(10):4660–4666.
[3] Wierman ME et al. Androgen Therapy in Women: A Reappraisal: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab, 2014, 99(10):3489–3510.


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