RHYME: Sicherheit der Testosterontherapie vor kardiovaskulären Ereignissen, Prostatakrebs und LUTS-Progression

Hintergrund: Die prospektive Registerstudie RHYME (Registry of Hypogonadism in Men) erfasst an 25 Institutionen in sechs Ländern der Europäischen Union den Gesundheitszustand von 999 Männern mit gesichertem Hypogonadismus im Alter ab 18 Jahren.


Zielsetzung

Mit der Studie wurde beabsichtigt, in einer großen vielfältigen Kohorte hypogonadaler europäischer Männer die kardiovaskuläre Sicherheit der Testosteronersatztherapie (TRT) zu bewerten [1].
Zudem sollten Effekte der TRT auf Indikatoren der Prostatagesundheit wie die Rate an Prostatakrebs-Diagnosen bei hypogonadalen Männern, Veränderungen des Prostata-spezifisches Antigen (PSA)-Spiegels und der Symptome des unteren Harntrakts (LUTS) im Laufe der Zeit beurteilt werden [2].

Teilnehmer und Methoden

Drei Viertel der 999 Teilnehmer erhielten eine TRT. Alle Patienten wurden nach 3, 6, 12, 24 und 36 Monaten zur Untersuchung, Blutentnahme und Beantwortung von Fragebögen einbestellt. Die Hormon- und PSA-Bestimmungen wurden in einem Zentrallabor gemessen, Prostatabiopsien verblindet ausgewertet.

Ergebnisse

In der Kohorte erhielten 750 Männer (75%) eine Verschreibung für die TRT. Die Testosteron-Verschreibungen lauteten meist auf topische Gele (68%) oder Injektionsmittel (31%). Nur 2% erhielten orale Präparate. Bei den Männern in der TRT-Gruppe erhöhte sich der mittlere Testosteronspiegel von 8,3 nmol/l auf 15,4 nmol/l, während ein Anstieg bei den nicht behandelten Männern von 9,4 auf 11,3 nmol/l nur gering war.



Es wurden insgesamt 55 kardiovaskuläre Ereignisse gemeldet, die 41 der Teilnehmer betrafen. Am häufigsten traten tiefe Venenthrombosen (n=13), Myokardinfarkt (n=14) und Schlaganfälle (n=9) auf. Männer mit und ohne TRT waren zu etwa gleichen Anteilen betroffen. Fünf Todesfälle wurden als kardiovaskulär bedingt eingestuft – 2 davon bei nicht mit Testosteron behandelten Männern und 3 in der TRT-Gruppe. Kein Fall wurde als therapiebedingt beurteilt. Die gesamte Rate an kardiovaskulären Ereignissen betrug 1.522 pro 100.000 Personenjahre. Die entsprechende Rate für die Männer in der TRT-Gruppe unterschied sich nicht signifikant von der bei den unbehandelten Männern (p=0,70).

Während des Follow-up wurden bei 55 Prostatabiopsien 12 Prostatakarzinome entdeckt. In der TRT-Gruppe betrug die positive Biopsierate 37,5% gegenüber 37,0% bei den unbehandelten Männern. Die Inzidenzrate für Prostatakrebs entsprach etwa der in der allgemeinen Bevölkerung (1.221,4 vs. 1.251,9 pro 100.000 Personenjahre). Bei den Männern im Alter ≥60 Jahre war die Prostatakrebs-Inzidenzrate bei den nicht mit Testosteron behandelten Männern höher als bei denen unter TRT (3.941,6 vs 1.582,5 pro 100.000 Personenjahre (p=0,07).

In der TRT-Gruppe nahmen die korrigierten PSA-Werte in den ersten 12 Beobachtungsmonaten geringfügig zu und stabilisierten sich danach (Abb. A).

Moderate bis schwere LUTS (International Prostate Symptom Score [IPSS] ≥8) berichteten zu Baseline 38,3% der unbehandelten Männer und 41,1% der Männer in der TRT-Gruppe. Bei ersteren stieg der korrigirte Gesamt-IPSS im Studienverlauf minimal an, während er in der TRT-Gruppe leicht abnahm (Abb. B). In longitudinalen Modellen wurden moderate positive Effekte der TRT auf LUTS ermittelt [7,1% verringerter Gesamt-IPSS (p=0,004) und 7,9% geringere irritative Scores (p<0,001)]. Es gab keine Veränderungen der obstruktiven Scores.

Schlussfolgerungen

In der longitudinalen Registerstudie in sechs europäischen Ländern wurde bei Patienten mit TRT keine Erhöhung der Mortalität oder des kardiovaskulären Risikos gegenüber unbehandelten Männern festgestellt. Die kardiovaskuläre Sicherheit bestätigte sich unabhängig von der TRT-Applikationsform oder dem Komorbiditätsprofil [1].

In der multinationalen Registerstudie mit 999 hypogonadalen Männern ergaben sich bei Testosteronausgleich keine Anzeichen für eine erhöhte Prostatakrebs-Rate oder die Progression von LUTS/BPH gegenüber den unbehandelten Männern [2].
  

Literatur:

[1] Maggi M, Wu FCW, Jones TH, et al. 2016. Testosterone treatment is not associated with increased risk of adverse cardiovascular events: results from the Registry of Hypogonadism in Men (RHYME). Int J Clin Pract 70:843-852.
[2] Debruyne FMJ, Behre HM, Roehrborn CG, et al. 2017. Testosterone treatment is not asso­ciated with increased risk of prostate cancer or worsening of lower urinary tract symptoms: pros­tate health outcomes in the Registry of Hypogo­nadism in Men. BJU Int 119:216-224.


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