Progesteron erhöht die Chancen für klinische Schwangerschaften und Lebendgeburten

Im Rahmen der assistierten Reproduktionstherapie (ART) ist der Einsatz von Progesteron weltweit Standard, um so den rasch sinkenden Progesteronspiegel der Lutealphase auszugleichen. Wie Patientinnen nach Ovulationsinduktion (OI) und intrauteriner Insemination (IUI) von einer Progesterongabe profitieren erfahren Sie hier.


Lutealphaseninsuffizienz im Rahmen der ART

Eine Indikation für die Gabe von Progesteron ist die Lutealphaseninsuffizienz (engl.: luteal phase deficiency = LPD). Diese kann wiederum durch die Verabreichung von Gonadotropin im Rahmen der ART auftreten. [1] Die Länge der Lutealphase umfasst in normalen Zyklen durch die Progesteronproduktion etwa zwei Wochen. Durch die Gabe von beispielsweise Gonadotropin im Rahmen der ART kommt es durch den hyperstimulierten Zyklus zwar zu einem forcierten, aber auch zu einem rasch sinkenden Progesteronspiegel und damit zu einer verkürzten Lutealphase. [2] Progesteron wird jedoch benötigt, da es die Konversion des Endometriums vom Proliferations- zum Sekretionsstadium fördert und damit auch die Einnistung der Blastozyste und folglich die embryonale Entwicklung ermöglicht. [3]

Progesteron – effektive Unterstützung der Lutealphase unter Gonadotropin-induzierter Ovulation

Wie sich eine Progesterongabe auf die Lutealphase nach der Ovulationsinduktion (OI) und intrauteriner Insemination (IUI) auswirkt, wurde 2017 in einer Metaanalyse [4] untersucht. Insgesamt elf randomisierte, kontrollierte Studien mit 2.842 Patientinnen mit 4.065 Zyklen erfüllten die Einschlusskriterien. Dieser Untersuchung standen damit mehr als doppelt so viele Daten zu Verfügung wie der vorherigen Metaanalyse zu diesem Thema aus dem Jahr 2013 [5].

Es konnte gezeigt werden, dass bei Patientinnen, die Gonadotropin für die OI erhalten hatten, sich unter Progesteron die Wahrscheinlichkeit für eine klinische Schwangerschaft (Relatives Risiko [RR] 1,56; 95%-Konfidenzintervall [KI] 1,21–2,02) und für eine Lebendgeburt (RR 1,77; 95%-KI 1,30–2,42) erhöhte. [4] Kein Vorteil hinsichtlich klinischer Schwangerschaften zeigte sich hingegen für die Progesterongabe bei Patientinnen, deren Ovulation durch Clomifen (RR 0,85; 95%-KI 0,52–1,41) oder durch die Kombination von Clomifen und Gonadotropin (RR 1,26; 95%-KI 0,90–1,76) induziert wurde. Daten zu Lebendgeburten in Clomifencitrat-Zyklen oder Zyklen mit Clomifen kombiniert mit Gonadotropin waren nicht verfügbar. [4] Die Autoren der Metaanalyse resümierten, dass die Gabe von Progesteron für Patientinnen, die Gonadotropin zur OI vor intrauteriner Insemination erhalten, von Vorteil ist. Rechnerisch ergebe die Untersuchung, dass auf elf mit Progesteron behandelten Patientinnen eine zusätzliche Lebendgeburt komme. [4]

Warum Progesteron vaginal verabreichen?

Im Rahmen der ART ist die Verordnung von vaginalem Progesteron Standard geworden, um den optimalen Progesteronspiegel zu erreichen. [6] Diese Darreichungsform ist unkompliziert und wird von Patientinnen bevorzugt. [7] Im Gegensatz zu einer oralen Applikation kommt es zu einer direkten Aufnahme und Anreicherung des Progesterons im Uterusgewebe – der sogenannte uterine First-Pass-Effekt. Gleichzeitig können durch die Umgehung der Leberpassage mögliche systemische Nebenwirkungen der Progesterongabe wie Schwindel oder Kopfschmerzen abgeschwächt werden. [3]

Fazit

Die wichtigsten Punkte zum Thema Progesteron und intrauterine Insemination lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Im Rahmen einer ART ist mit einer Lutealphaseninsuffizienz zu rechnen. [1]
  • Patientinnen, die Gonadotropine zur Ovulationsinduktion vor intrauteriner Insemination erhalten, profitieren von Progesteron. Die Wahrscheinlichkeit für klinische Schwangerschaften und Lebendgeburten erhöht sich durch Progesteron. Es gibt eine zusätzliche Lebendgeburt je elf mit Progesteron behandelten Patientinnen. [4]
  • Vaginales Progesteron ist im Rahmen der ART Standard geworden, da die Darreichungsform unkompliziert ist und von Patientinnen bevorzugt wird. [6,7]

Referenzen

[1] Griesinger, G. Meldrum D. (2018). Introduction: Management of the luteal phase in assisted reproductive technology. Fertility and Sterility. 109(5):747-748.
[2] Fauser, B.C., et al. (2003). Reproductive biology and IVF: ovarian stimulation and luteal phase consequences. Trends Endocrinol Metab. 14:236-42.
[3] Gnoth, C. (Herausgeber), Mallmann, P. (2014). Perikonzeptionelle Frauenheilkunde: Fertilitätserhalt, Prävention und Management von Schwangerschaftsrisiken. Springer; Auflage: 2014.
[4] Green, K.A., et al. (2017). Progesterone luteal support after ovulation induction and intrauterine insemination: an updated systematic review and meta-analysis. Fertility and Sterility. 107(4):924-933.
[5] Hill, M.J., et al. (2013). Progesterone luteal support after ovulation induction and intrauterine insemination: a systematic review and meta-analysis. Fertility and Sterility. 100:1373–80.
[6] Vaisbuch E, et al. (2014). Luteal-phase support in assisted reproduction treatment: real-life practices reported world¬wide by an updated website-based survey. Reprod Biomed Online. 28: 330–5.
[7] Daya, S., Gunby, J. (2004). Luteal phase support in assisted reproduction cycles. The Cochrane Database of Systematic Reviews, 3:CD004830.


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