Neue Studie zur Akzeptanz der Hormonersatztherapie (HRT) - Mehr Zuspruch unter Gynäkolog:innen für eine HRT bei Wechseljahresbeschwerden


Die HRT nimmt als Behandlungsoption für Wechseljahresbeschwerden einen immer wichtigeren Stellenwert ein. Das zeigt eine aktuelle Studie von iConsult im Auftrag von Besins Healthcare, die auf Basis einer schriftlichen Befragung im Zeitraum von Mai bis Juli 2021 durchgeführt wurde.1 Diese Erhebung war die erste neutrale Untersuchung, die sich seit den beiden Publikationen von Prof. Bühling aus den Jahren 20112 und 20123 damit beschäftigt hat, wie die hormonelle Behandlung von Wechseljahresbeschwerden im Praxisalltag einzuschätzen ist. Das Ergebnis: 80 % der niedergelassenen Fachärzt:innen für Gynäkologie, welche den Fragebogen beantwortet hatten, halten die HRT inzwischen für wichtig bis sehr wichtig. Damit liegt die Bedeutung der HRT deutlich vor den pflanzlichen Arzneimitteln (49 %).

Mehr Akzeptanz für die HRT in Fachkreisen

Offensichtlich hat insbesondere in der Fachärzteschaft ein Umdenken stattgefunden: Im Vergleich zu einer zehn Jahre zurückliegenden Studie2 wird die HRT nun tendenziell häufiger verordnet (35 %) als pflanzliche Arzneimittel (30 %) und das schon beim Auftreten der ersten Wechseljahressymptome. 2011 hatten 82,2 % der Umfrageteilnehmer:innen angegeben, dass sie ihre Verordnung von der Schwere der Symptome abhängig machten. Nur 9,1 % der reagierenden Umfrageteilnehmer:innen verschrieben damals tatsächlich bei den ersten Symptomen eine HRT, 18,2 % alternative Therapiemöglichkeiten. Der Vergleich zu heute macht deutlich, dass die Akzeptanz der HRT in Fachkreisen stark gestiegen ist. Die Entwicklung manifestiert sich auch in der neuen S3-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Wechseljahresbeschwerden, welche die HRT inzwischen ausdrücklich empfiehlt.4 

Hohe Punktzahl in Fragen der Sicherheit

Auch die weiteren Umfrageergebnisse bestätigen die gestiegene Akzeptanz in den letzten zehn Jahren: Die Bereitschaft, eine HRT selbst zu verwenden ist in Fachkreisen hoch. Fast vier Fünftel der reagierenden Fachärzteschaft befürworten diesen Therapieansatz auch für sich selbst oder würden ihn ihrer Partnerin empfehlen. Denn auch das ist ein Fazit der Studie: 82 % der Umfrageteilnehmer:innen halten eine HRT für unbedenklich und fühlen sich mit dem Einsatz sicher bis sehr sicher.1

Besseres Nutzen-Risiko-Verhältnis durch transdermale Anwendung

Das scheint auch an den modernen Anwendungsmöglichkeiten zu liegen. Bei den Applikationsformen zeigt sich ein deutlicher Trend in Richtung transdermale Therapie. 81 % der Umfrageteilnehmer:innen verordnen zunehmend diese Form der Anwendung, 87 % halten sie für sehr sicher.1 Der bioidentische Wirkstoff Östradiol wird dabei nach und nach über die Haut aufgenommen, und gelangt damit in einer ähnlichen Konzentration und Geschwindigkeit in den Körper, wie es bei der natürlichen Ausschüttung des Östrogens bei fertilen Frauen der Fall wäre. Die transdermale Anwendung in Form von Cremes, Gel oder Spray hat gegenüber der oralen Einnahme tatsächlich viele Vorteile: Der Wirkstoff gelangt über die Haut in die Blutbahn und muss nicht über die Leber verstoffwechselt werden. So entstehen z. B. weniger gerinnungsfördernde Substanzen – was das Risiko für Venenthrombosen, Embolien oder Schlaganfälle reduziert.5

Mehr Offenheit und Interesse seitens der Patientinnen

Auch bei den Patientinnen hat ein Umdenken stattgefunden: 28 % der reagierenden Fachärzteschaft gaben an, dass Frauen in den Wechseljahren häufig den Wunsch äußerten, eine HRT zu erhalten. Das zeigt, dass sie seit der letzten Befragung 2012 grundsätzlich offener für diese Behandlungsoption geworden sind. Allerdings gibt es auch mehr kritische Nachfragen, was dem generellen Trend der Patientinnen zu mehr Autonomie in medizinischen Fragen entspricht. In diesem Zusammenhang äußerten die Umfrageteilnehmer:innen auch, dass der Informationsstand der Patientinnen zur HRT beim Erstgespräch nach wie vor nur mittelmäßig sei.1 Das spiegelt auch eine forsa Umfrage von Besins Healthcare aus dem Jahr 2020 wider.6 Demnach fühlt sich nur jede dritte Frau über die Behandlung von Wechseljahresbeschwerden gut bis sehr gut informiert. 50 % gaben an, sich eher mittelmäßig, schlecht bis sehr schlecht informiert zu fühlen. Ein Viertel der Umfrageteilnehmerinnen habe nach eigenen Angaben sogar die Orientierung darüber verloren, welche Empfehlungen in Hinblick auf die Wechseljahre sinnvoll sind und welche nicht. 

Wichtige Voraussetzung: umfangreiche Aufklärung

Umso wichtiger ist es, dass die Fachärzt:innen selbst auf dem aktuellen Wissenstand sind. Dass dies der Fall ist, bestätigt die aktuelle Studie. 66 % der reagierenden Fachärzt:innen informieren sich regelmäßig über den neuesten Stand der Forschung, weitere 30 % fühlen sich ausreichend gut informiert. Das erklärt auch die steigende Verordnung. Die führenden Indikationen für die HRT sind zwar immer noch typische klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen, gefolgt von atrophischer Kolpitis/Dyspareunie, Osteoporose, Blutungsstörungen. Aber auch die Einschränkung des Wohlbefindens ist ein häufig genannter Grund, warum Gynäkolog:innen ihren Patientinnen eine HRT verordnen. Die gestiegene Akzeptanz der HRT spiegelt sich auch in einem weiteren Umfrageergebnis wider: Es zeichnet sich ab, dass die HRT bei allen abgefragten Beschwerden eine insgesamt noch breitere Akzeptanz erfährt. Das bedeutet, dass fast 30 % der Umfrageteilnehmer:innen eine Zunahme der HRT-Verordnungen in der Zukunft erwarten. Von einem Rückgang geht praktisch niemand aus.1

Referenzen

1 Umfrage iConsult: „Einstellungen der Gynäkologen und Gynäkologinnen zur Hormonersatztherapie (HRT)“ im Auftrag von Besins Healthcare Germany GmbH. 2021 (Insgesamt 9361 Fachärzt:innen; Rücklauf: N = 629 Fragebögen (6,7 %) von n = 448 Fachärztinnen (77 %) und n = 181 Fachärzten (23 %)). Durchschnittsalter 56 Jahre.)

2 K. J. Bühling et al.: Attitude of German gynecologists towards prescribing HRT before and after the WHI study, in: Climacteric 15.4 (2011):326-331.

3 K. J. Bühling et al.: Use of hormone therapy by female gynecologists and female partners of male gynecologists in Germany 8 years after the Women’s Health Initiative study: results of a survey, in: Menopause, 19.10 (2012):1088-1091.

4www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-062.html Letzter Aufruf: November 2021

5 Mueck, A. Transdermales Östradiol und Progesteron. Die einzig bioidentische HRT, diskutiert auf dem NAMS-Kongress 2016. Gynäkolog Endokrin. 2017;15(1):65-72.

6 forsa Umfrage „Meinungsbarometer Wechseljahre 2020“ im Auftrag von Besins Healthcare Germany GmbH. 2020


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