Langzeitverhütung: Pille und Krebsrisiko

Millionen von Frauen nutzen weltweit orale Kontrazeptiva. Ein wichtiger Aspekt in Bezug auf die Sicherheit der oralen Empfängnisverhütung ist die Frage nach langfristigen Krebsrisiken. Neue Studienergebnisse zeigen, dass Pillenanwenderinnen keine Langzeitkrebsrisiken befürchten müssen und das Risiko für einige Krebsarten sogar sinkt. [1,2]


Schätzungsweise 100 bis 150 Millionen Frauen weltweit nutzen zur Schwangerschaftsverhütung die „Pille“. [1] Doch seitdem orale Kontrazeptiva verbreitet angewendet werden, wurden auch immer wieder Bedenken über ein mögliches kanzerogenes Potenzial dieser Verhütungsmethode geäußert. Zusätzlich haben Medien Frauen mit Berichten über mögliche Langzeitfolgen durch die Pille verunsichert. [1] Während Fallkontrollstudien auf ein höheres Risiko für bestimmte Krebsarten wie Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs hinwiesen, zeigten andere Untersuchungen, dass manche Krebsformen, z. B. Eierstockkrebs und Endometriumkarzinome, seltener bei Pillenanwenderinnen auftraten. [1,3] Neue Untersuchungen kommen bezüglich des Krebsrisikos im Zusammenhang mit oraler Kontrazeption nun zu entwarnenden Ergebnissen.

Die Fachzeitschrift American Journal of Obstetrics & Gynecology veröffentlichte 2017 eine Langzeitstudie des Royal College of General Practitioners zum Krebsrisiko bei Anwendung kombinierter oraler Kontrazeptiva (KOK), die ihr Hauptaugenmerk auf diese Fragestellungen richtete [1]:

  • Über welchen Zeitraum bleibt das durch KOK reduzierte Risiko für bestimmte Krebsarten (Endometrium-, Ovarial- und Kolonkarzinome) bestehen?
  • Besteht durch die Einnahme von KOK während der fruchtbaren Lebensphasen ein höheres Krebsrisiko in späteren Lebensjahren?
  • Wie steht es um das Gesamtrisiko für Krebs bei ehemaligen KOK-Anwenderinnen im höheren Lebensalter?


Die vorgestellte Studie zählt 46.022 Teilnehmerinnen und erstreckt sich auf einen Beobachtungszeitraum von 44 Jahren. Damit handelt es sich weltweit um die am längsten laufende Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen oraler Kontrazeption. [1]

Langfristig reduziertes Risiko für 5 Krebsarten

Anwenderinnen kombinierter oraler Kontrazeptiva hatten gegenüber Frauen, die nicht mit der Pille verhüteten, ein geringeres Risiko für Kolon-, Endometrium- und Ovarialkarzinome, und zwar auch langfristig über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren. [1,2] Auch das Risiko für Leukämie und Lymphome war bei den Pillenanwenderinnen geringer. [1,2] Konkret verminderte sich das Risiko für Kolonkarzinome um 19 % (Verhältnis der Inzidenzraten – Incidence Rate Ratio [IRR] 0,81; 99%-Konfidenzintervall [KI] 0,66–0,99), die Rate an Endometriumkarzinomen um 34 % (IRR 0,66; 99%-KI 0,48–0,89) und die der Ovarialkarzinome um 33 % (IRR 0,67; 99%-KI 0,50–0,89). [1,4]

Kein erhöhtes Krebsrisiko in späteren Lebensjahren [1]

Ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko ließ sich bei allen KOK-Anwenderinnen feststellen, die rauchten. Bei Pillenanwenderinnen und Frauen, die die Pille kürzlich absetzten, zeigte sich eine höhere Anzahl an Mamma- und Zervixkarzinomen. [1] Allerdings verlor sich das Risiko fünf Jahre nach dem Absetzen der Pille. [1]

Laut der Studie fanden sich keine Hinweise auf ein höheres Krebsrisiko im späteren Lebensabschnitt von Frauen, die während der fruchtbaren Lebensjahre mit oralen Kontrazeptiva verhütet hatten. Auch das Gesamtrisiko für Krebserkrankungen ist den Studienergebnissen zufolge für bisherige Pillenanwenderinnen neutral: Die erhöhten Risiken für die genannten Karzinomarten werden durch die geringere Wahrscheinlichkeit für Endometrium-, Eierstock- und Darmkrebs ausgeglichen.

Die Daten lassen darauf schließen, dass sich Frauen, die sich für eine orale Kontrazeption entscheiden, keinem höheren Langzeitkrebsrisiko aussetzen – im Gegenteil: Viele Frauen profitieren offenbar auch langfristig von einem reduzierten Krebsrisiko für bestimmte Karzinome. [1,2]

Referenzen

[1] Iversen, L., et al. (2017, Jun). Lifetime cancer risk and combined oral contraceptives: the Royal College of General Practitioners’ Oral Contraception Study. Am J Obstet Gynecol. 216, pp. 580.e 1-9.
[2] Deutsche Krebsgesellschaft. Verhütung und Krebsrisiko. (www.krebsgesellschaft.de Abruf: 04.06.2018).
[3] Ludwig, M. (2015). Kontrazeption – Ab wann und wie lange? Gynäkologe. 48 (9), pp. 634-642.
[4] Deutsches Ärzteblatt (2017, Mar). Orale Kontrazeptiva senken langfristig Häufigkeit einiger Krebsarten. (www.aerzteblatt.de Abruf: 04.06.2018).


Herzlich Willkommen

In unserem Hormonspezialisten-Portal finden Sie Infos und Services, die speziell für Ärzte entwickelt wurden.


Sie sind kein Arzt?
Entdecken Sie unsere Patientenseiten!

 

Sie sind kein Arzt? Entdecken Sie unsere Patienten-Webseiten!

 

Ich bin Arzt

Als Arzt sind Sie hier genau richtig, denn Hormonspezialisten ist Ihr Expertenportal rund um das Thema Sexualhormone mit interaktivem Experten-Board. Entdecken Sie unser umfangreiches Angebot oder melden Sie sich für weitere Services direkt per DocCheck Login an.

 

Ich bin kein Arzt

HORMONSPEZIALISTEN.de wurde vorrangig für Ärzte konzipiert und bietet medizinisch-wissenschaftliche Inhalte. Einige der Seiten sind aus rechtlichen Gründen Ärzten vorbehalten und durch einen entsprechenden Login geschützt.

Sie sind kein Arzt? Entdecken Sie unsere Patienten-Webseiten!


Das Portal für Männergesundheit

Alles zum Thema Wechseljahre