Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen zukünftig GKV-Leistung: neue Richtlinie des G-BA

Unter bestimmten Voraussetzungen werden die Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen sowie die dazugehörigen medizinischen Maßnahmen zukünftig eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat mit einer neuen Richtlinie einen Anspruch für GKV-Versicherte auf eine Kryokonservierung von Keimzellen für eine spätere Fertilitätsbehandlung formuliert. Dies gilt, wenn bei der Behandlung von Erkrankungen Therapien zum Einsatz kommen, bei denen die Gefahr besteht, dass diese die Fertilität beeinträchtigen oder zu deren Verlust führen.


Im Juli 2020 hat der G-BA eine neue Richtlinie beschlossen, nach der die Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen sowie dazugehörige medizinische Maßnahmen zukünftig unter bestimmten Voraussetzungen Leistung der GKV sind. Die Richtlinie tritt endgültig in Kraft, wenn diese bei Nichtbeanstandung im Bundesanzeiger veröffentlich wird.

Die Kryokonservierung und die dazugehörigen medizinischen Maßnahmen (z. B. Gewinnung von Keimzellen) sollen für Patientinnen und Patienten die Möglichkeit eröffnen, einen Kinderwunsch auch nach keimzellschädigender Therapie später durch künstliche Befruchtung zu erfüllen.

Einordnung als keimzellschädigende Maßnahme

Insbesondere folgende Therapien zählen zu den keimzellschädigenden Behandlungen und gelten somit als Indikation für eine Kryokonservierung samt zugehöriger Maßnahmen:

  • Operative Entfernung der Keimdrüsen
  • Strahlentherapie mit zu erwartender Schädigung der Keimdrüsen
  • Potenziell fertilitätsschädigende Medikation

Ob eine Behandlung keimzellschädigend ist, wird von dem Facharzt, der die Grunderkrankung diagnostiziert, festgelegt, z. B. Gynäkologe oder Urologe. Die Richtlinie sieht eine umfassende, zweistufige Beratung der Versicherten durch bestimmte qualifizierte Fachärztinnen und Fachärzte vor:

  • Erstberatung, im Rahmen der Grunderkrankung durch den Facharzt, welcher die Grunderkrankung feststellt.
  • Zweitberatung, vertiefte fachliche Beratung zur Keimzellentnahme und Kryokonservierung,
    • bei Frauen durch Fachärztinnen/Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit Schwerpunkt gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin,
    • bei Männern durch Fachärztinnen/Fachärzte mit Zusatzweiterbildung Andrologie (um die Maßnahmen ohne Zeitverzug zu gewährleisten, sollen andrologische Beratung und Samenzellgewinnung (inkl. TESE) durch denselben Arzt angeboten und durchgeführt werden können).

Altersgrenzen der Patienten

Die Maßnahmen der Kryokonservierung können bis zu folgenden Altersgrenzen der Patienten durchgeführt werden:

  • Bei Frauen bis zum vollendeten 40. Lebensjahr.
  • Bei Männern bis zum vollendeten 50. Lebensjahr.

Eine Altersuntergrenze ist im §27a Absatz 4 SGB V nicht vorgesehen. Allerdings bestehen Einschränkungen bei Minderjährigen für die Kryokonservierung von Keimzellen.

Übergangsregelung und Höhe der Vergütung

Für Patienten und Patientinnen, die ihre Keimzellen bereits aufgrund einer keimzellschädigenden Therapie haben kryokonservieren lassen oder Maßnahmen zur Kryokonservierung begonnen haben, besteht ab Tag des Inkrafttretens der Vergütungsregelungen im konkreten Einzelfall Anspruch auf Leistungen.

Die Leistungen können erbracht werden, nachdem der Bewertungsausschuss über die Höhe der Vergütung im Einheitlichen Bewertungsmaßstab entschieden hat.

Referenz

Pressemitteilung Gemeinsamer Bundesausschuss gemäß § 91 SGB V. Methodenbewertung: Kryokonservierung von Ei- und Samenzellen als GKV-Leistung – G-BA beschließt Richtlinie. Nr. 34/2020. 16. Juli 2020. Online abrufbar unter: https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen/878/


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