Hormonersatztherapie kann Schlafqualität verbessern

Das Klimakterium kann neben Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schwitzen auch chronische Schlafstörungen mit sich bringen. [1,2,5] Welchen positiven Einfluss eine Hormonersatztherapie (HRT) auf den Schlaf von früh-postmenopausalen Frauen haben kann, zeigt eine aktuelle Studie zu diesem Thema. [3]


Menopausale Schlafstörungen

Zwischen 40 und 60 % der Frauen berichten während der Peri- und Postmenopause von Schlafstörungen. [4] Am häufigsten haben Frauen in diesen Phasen Probleme beim Durchschlafen, aber auch frühes Aufwachen oder Einschlafschwierigkeiten werden vermehrt beobachtet. [5] Schlafstörungen haben allerdings multifaktorielle Ursachen und eine stringente Zuordnung als menopausale Beschwerde ist nicht immer möglich. Als Auslöser werden sowohl die hormonellen Veränderungen per se als auch die zum Teil damit assoziierten menopausalen Beschwerden wie vasomotorische Symptome oder Depressionen in Betracht gezogen. [6] Doch wirken sich auch das Alter an sich sowie psychosoziale oder sozio-ökonomische Aspekte auf den Schlaf aus, die in diesem Lebensabschnitt häufig Veränderungen unterliegen. Weitere nicht hormonelle Ursachen wie Schlafapnoe, das Restless-Legs-Syndrom oder seltener auch Narkolepsie müssen abgeklärt werden. Grundsätzlich sollten die richtigen Rahmenbedingungen für einen gesunden Schlaf im Sinne der Schlafhygiene gegeben sein. Liegt der Schlafstörung eine hormonelle Ursache zugrunde – insbesondere, wenn gleichzeitig vasomotorische Beschwerden vorliegen – kann eine HRT den Schlaf jedoch verbessern. [6,7]

Die Datenlage im Allgemeinen zur HRT und Reduktion der Schlafstörungen ist nicht ganz einheitlich. Eine umfangreiche Literaturrecherche aus dem Jahr 2015 ergab, dass eine HRT in Form von niedrig dosiertem Östrogen oder Progesteron die chronische Schlaflosigkeit bei Frauen in den Wechseljahren verbessern könnte (Empfehlungsgrad B). In den 23 überprüften Artikeln waren 14 Resultate positiv, während neun gemischte oder negative Ergebnisse zeigten. [8,9]

HRT kann postmenopausale Schlafstörungen lindern

Eine Anfang 2018 im Journal of The North American Menopause Society veröffentlichte Placebo-kontrollierte Studie [3] untersuchte als sekundären Endpunkt die Effekte unterschiedlicher HRT-Möglichkeiten – orale CEE (konjugierte Stutenöstrogene) versus transdermales Estradiol (E2) – auf die Schlafqualität von 727 Frauen, deren letzte Menstruation 6 bis 36 Monate zurücklag. Dabei wurde auch analysiert, inwiefern vorhandene Schlafstörungen mit vasomotorischen Beschwerden assoziiert sind. Anhand des Fragebogens des Pittsburgh Schlafqualitätsindex (PSQI) wurden die Schlafstörungen in einem Zeitraum von 48 Monaten dokumentiert. [3] Der PSQI ist ein validierter und anerkannter Fragebogen zur Erfassung der Schlafqualität. Hier werden retrospektiv für einen Zeitraum von vier Wochen die üblichen Schlafgewohnheiten abgefragt. Die einzelnen Schlafparameter, die in die Gesamtwertungen eingehen, sind: subjektive Schlafqualität, Einschlaflatenz, Schlafdauer, Schlafeffizienz, Schlafstörungen, Schlafmedikation und Tagesmüdigkeit. [10] Die Studie kam zu folgenden Ergebnissen:

  • HRT verbessert den Schlaf: Im Vergleich zur Placebo-Gruppe verbesserte eine HRT das Ergebnis des PSQI-Gesamtscores und erhöhte im Einzelnen die subjektive Schlafqualität und Einschlafzeit. Dieser positive Effekt konnte für beide Applikationsformen, orale als auch transdermale HRT, beobachtet werden. [3]
  • Transdermale Applikation hilft wirksamer gegen Schlafstörungen und schlechten Schlaf: Die Untersuchung der einzelnen Schlafparameter, aus denen sich der PSQI-Score zusammensetzt, konnte zeigen, dass sich die transdermale Anwendung wirksamer gegen Unterbrechungen des Schlafs zeigt, als die orale. Es wird vermutet, dass dies durch die konstante transdermale Applikation über 24 Stunden zu erklären ist. [3]
    Betrachtete man nur die Frauen, die bereits bei Studienbeginn unter schlechtem Schlaf litten (PSQI-Score < 8), zeigte sich auch die transdermale als die wirksamere Form. Der Anteil der „Schlechtschläfer“ konnte damit um mehr als die Hälfte gesenkt werden. In der o-CEE-Gruppe (orale CEE) war der Effekt geringer ausgeprägt und nicht signifikant. [3]
  • Verbessern sich die vasomotorischen Symptome, verbessert sich der Schlaf: Die positiven Veränderungen des Schlafes korrelierten mit einer Verbesserung der vasomotorischen Symptome. Allerdings zeigte eine multivariable Analyse, dass die Linderung von Hitzewallungen und nächtlichem Schwitzen nicht ausschließlich für die Verbesserung des Schlafs verantwortlich war. [3]

Progesteron: angstlösend und schlaffördernd

Progesteron und seine neuroaktiven Metabolite modulieren viele Gehirnfunktionen. Sie wirken u.a. auf den GABAA-Rezeptor-Komplex und haben dadurch eine sedierende und anxiolytische Wirkung. Dass Progesteron vermutlich Schlafstörungen bei postmenopausalen Frauen vorbeugen kann, wurde in einer kleinen Studie gezeigt. [11] Acht Frauen ohne Schlafprobleme, deren letzte Menstruation 2 bis 17 Jahre zurücklag, erhielten 300 mg Progesteron oder ein Placebo über drei Wochen. In den letzten beiden Nächten wurde der Schlaf dokumentiert. In der letzten Nacht wurde alle 15 Minuten über 24 Stunden eine Blutprobe entnommen. Dadurch wurde der Schlaf nachweislich gestört. Bei den Frauen, die Progesteron einnahmen, waren diese Schlafstörungen jedoch signifikant reduziert. Ihre Gesamtschlafzeit war länger, das Aufwachen nach Schlafbeginn war um 53 % verringert und die Tiefschlafphase war um 46 % höher als bei der Placebo-Gruppe. [10] Der gestörte Schlaf wurde somit nahezu normalisiert.

Ursache der Schlafstörungen immer abklären

Grundlegend ist, dass die Ursachen für Schlafstörungen bei postmenopausalen Frauen konkret abgeklärt werden. Werden chronische Schlafstörungen nicht behandelt, kann es unter anderem zu geistiger wie körperlicher Leistungsminderung kommen und das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen sowie Diabetes kann steigen. [12]

Fazit

Der aktuelle Stand zum Thema HRT und Schlaf lässt sich wie folgt zusammenfassen:

  • 40 bis 60 % der Frauen während der Perimenopause sowie frühen Postmenopause berichten von Schlafstörungen. [5]
  • Eine HRT kann den Schlaf bei früh-postmenopausale Frauen verbessern. [3,5,9]
  • Insbesondere transdermales Estradiol scheint bei Frauen, die unter schlechtem Schlaf leiden, besonders vorteilhaft zu sein. [3]
  • Mikronisiertes Progesteron kann zur Normalisierung des gestörten Schlafs beitragen. [10]

 

Referenzen

[1] Santoro, N. (2016). Perimenopause: From Research to Practice. Journal of Women’s Health 25(4):332-9.

[2] Scientific Background Report for the 2017 Hormone Therapy Position Statement of The North American Menopause Society. www.menopause.org, Abruf 29.11.2018.

[3] Cintron, D. et al. (2017). Effects of oral versus transdermal menopausal hormone treatments on self-reported sleep domains and their association with vasomotor symptoms in recently menopausal women enrolled in the Kronos Early Estrogen Prevention Study (KEEPS). Menopause: The Journal of The North American Menopause Society 25(2):145-53.

[4] Nelson, HD. (2008). Menopause. Lancet 371(9614):760-70.

[5] Kravitz, HM. et al. (2011). Sleep During the Perimenopause: A SWAN Story. Obstetrics and gynecology clinics of North America 38(3):567-86.

[6] Baker, FC. et al. (2018). Sleep problems during the menopausal transition: prevalence, impact, and management challenges. Nature and science of sleep 10:73-95.

[7] Cintron, D. et al. (2017) Efficacy of menopausal hormone therapy on sleep quality: systematic review and meta-analysis. Endocrine 55(3):702-11.

[8] Attarian, H. et al. (2015) Treatment of chronic insomnia disorder in menopause: evaluation of literature. Menopause 22:674-84.

[9] The North American Menopause Society. The 2017 hormone therapy position statement of The North American Menopause Society. Menopause. 2017 Jul;24(7):728-53

[10] Buysse DJ. et al. (1989). The Pittsburgh Sleep Quality Index: a new instrument for psychiatric practice and research. Psychiatry Res 28:193-213.

[11] Caufriez, A., et al. (2011). Progesterone prevents sleep disturbances and modulates GH, TSH, and melatonin secretion in postmenopausal women. J Clin Endocrinol 96(4):614-23.

[12] Chattu, VK., et al. (2018). The Global Problem of Insufficient Sleep and Its Serious Public Health Implications.
Healthcare (Basel) 20;7(1).


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