Effekt der Testosteronbehandlung auf Knochenmineraldichte und Knochenfestigkeit bei Männern mit Androgenmangel

Hintergrund: Erniedrigte Serum-Testosteronspiegel stehen bei einem Großteil der älteren Männer mit dem Verlust an Knochenmineralsubstanz und einem damit verbundenen erhöhten Frakturrisiko im Zusammenhang. Bisherige Studien zu den Effekten einer Testosteron-Behandlung auf die Knochen bei älteren Männern waren nicht eindeutig. Aktuell wurde im Rahmen von sieben Testosteron-Studien (The T-Trials) der US-amerikanischen Institute of Medicine (IOM) und der National Institutes of Health (NIH) auch der Einfluss einer Testosteron-Substitution auf die Knochengesundheit untersucht.


Zielsetzung

Dabei sollte ermittelt werden, ob die Behandlung älterer Männer mit niedrigem Serum-Testosteron zur Erhöhungen der volumetrischen Knochenmineraldichte (vKMD) und der daraus berechneten Knochenfestigkeit führt (Snyder, et al. 2017):

Teilnehmer und Methoden

In der Placebo-kontrollierten, doppelblinden Studie an neun akademischen medizinischen Zentren der USA wurden Männer im Alter ab 65 Jahren, bei denen zwei morgendliche Testosteronbestimmungen Werte <2,75 ng/ml ergaben, randomisiert für ein Jahr mit Testosteron-Gel oder Placebo-Gel behandelt. Die Behandlungsergebnisse wurden anhand von Bestimmungen der vKMD mit quantitativer Computertomographie zu Baseline und nach zwölf Monaten der Behandlung ausgewertet. Die Knochenfestigkeit wurde mit der Finite-Elemente-Methode anhand der quantitativen CT-Daten abgeschätzt. Der Mineralgehalt pro Fläche (g/cm2) wurde mittels Dual Energy X-Ray Absorptiometry (DEXA) zu Baseline und nach 12 Monaten bestimmt. Als primäres Behandlungsziel war die prozentuale Veränderung der vKMD des trabekulären Knochens in der Lendenwirbelsäule während der Studiendauer festgelegt worden.

Ergebnisse

In die Knochen-Studie waren 211 Männer aufgenommen worden, von denen 180 (90%) die 12-monatige Behandlung zu Ende geführt und sich dem abschließenden Knochen-CT unterzogen haben. Mehr Männer im Placebo-Arm (15,8%) als im Testosteron-Arm (5,5%) beendeten die Behandlung frühzeitig (p=0,01). Unter der Testosteronbehandlung erhöhten sich die medianen Konzentrationen des Gesamttestosterons, des freien Testosterons und des Estradiols im Serum auf Werte im Normbereich für junge Männer.



Die mittlere vKMD der trabekulären Knochensubstanz in der Lendenwirbelsäule erhöhte sich unter der Testosteronbehandlung um 7,5% (95% KI, 4,8% – 10,3%) im Vergleich zu 0,8% (95% KI, -1,9% – 3,4%) im Placebo-Arm (Abb.). Die Größenordnung des Behandlungseffekts auf die trabekuläre vKMD der Wirbelsäule stand nicht signifikant mit den Baseline-Werten des Testosterons, des Estradiols oder der vKMD im Zusammenhang. Die Zunahme der vKMD und die Differenz zwischen Testosteron- und Placebo-Arm waren in der Rindenzone der Wirbelkörper wie auch in der Spongiosa- und Rindensubstanz der Hüftknochen weniger stark ausgeprägt aber signifikant (Abb.).

Die errechnete Knochenfestigkeit des trabekulären Wirbelknochens erhöhte sich unter der Testosteronbehandlung um 10,8% (95% KI, 7,4% – 14,3%) im Vergleich zur Placebobehandlung 2,4% (95% KI, -1,0% to 5,7%) signifikant.

In der DEXA war die Erhöhung der KMD pro Fläche in der Lendenwirbelsäule unter der Testosterontherapie signifikant größer als bei Placebobehandlung (3,3%; 95% KI, 2,01% – 4,56% vs. 2,1%; 95% KI, 0,87% – 3,36%; p=0,01).

Schlussfolgerungen

Unter einer einjährigen Testosteronbehandlung erhöhte sich die volumetrische Knochenmineraldichte und die abgeschätzte Knochenfestigkeit bei älteren Männern mit niedrigem Testosteronspiegel signifikant.

Die Effekte waren im trabekulären stärker als im kortikalen Knochen und deutlicher in der Wirbelsäule als in der Hüfte ausgeprägt.
   

Literatur:

Snyder PJ, Kopperdahl DL, Stephens-Shields AJ, et al. 2017. Effect of testosterone treatment on volumetric bone density and strength in older men with low testosterone. A controlled clinical trial. JAMA Intern Med. doi:10.1001/jamainternmed.2016.9539


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