DR. KADE / BESINS Frühstückssymposium FOKO 2021: Immunschutz in den Wechseljahren – Versorgungsdefizit lässt Chancen ungenutzt

Eine Hormonersatztherapie (HRT) lindert nicht nur die typischen Wechseljahresbeschwerden, sondern kann auch eindeutige gesundheitliche Vorteile bringen. So schützen Östrogene und Gestagene Gefäße und Knochen [1], wirken darüber hinaus aber auch stabilisierend und modulierend auf das Immunsystem. [2] Das könne gerade in der aktuellen Corona-Pandemie ein zusätzlicher Benefit der HRT für Frauen in den Wechseljahren sein, argumentierte Internist und Pharmakologe Prof. Dr. Christian Mang auf dem diesjährigen FOKO-Symposium von DR. KADE / BESINS. [3] Allerdings erhalte derzeit laut einer aktuellen Umfrage zur Versorgungssituation menopausaler Frauen in Deutschland der Großteil der Frauen im Klimakterium trotz eines hohen Leidensdrucks keine HRT, berichtete Prof. Dr. Petra Stute, Frauenärztin mit Schwerpunkt Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin. Tatsächlich erhalte nur jede fünfte Patientin, bei der eine HRT indiziert wäre, diese Therapie. [3]


Positive Effekte einer HRT auf das Immunsystem

Bei der HRT für menopausale Frauen handele es sich im Grunde um eine Prophylaxe, führte Prof. Mang aus: „Wir wollen in eine protektive Medizin einsteigen, um im Alter die gewünschte Gesundheit zu bieten.“ Die HRT sei viel mehr als eine effektive Behandlung von Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und anderen klimakterischen Beschwerden. Aktuell sei ihr Einsatz besonders zu befürworten, da sich die Sexualhormone bei Frauen und auch bei Männern positiv auf das Immunsystem auswirkten, und hinsichtlich COVID-19 sowohl kurative als auch protektive Effekte entfalten könnten. [3] Die immunmodulatorische Wirkung der weiblichen Sexualhormone sei mittlerweile gut untersucht, so Prof. Mang. Schon früh seien unter einer HRT bessere systemische Immunantworten beobachtet worden. „Pharmakologisch ist die Gruppe der Östrogene den Wachstumsfaktoren zuzuordnen. Dass das Immunsystem im Alter erwiesenermaßen schlechter funktioniert, gilt umso mehr für Frauen nach der Menopause.“ Sowohl das Alter selbst als auch der Östrogenmangel gingen mit einer Schwächung des Immunsystems einher und eine HRT könne einige dieser Effekte umkehren und das Immunsystem stärken. Ein Vergleich zwischen prä- und postmenopausalen Frauen zeige die Immunrelevanz von Östrogen und Gestagen. [4]
In seinem Vortrag bezeichnete Prof. Mang die Glukokortikoide als Klassiker der Immunmodulation und endogenen Schutz vor einer Autoimmunentgleisung. Die Auswirkungen der Sexualhormone auf die Aktivität des Immunsystems sei dazu analog zu betrachten. Auch hier handele es sich um eine komplexe Immunmodulation mit einer Aktivierung und Hemmung des Immunsystems, ganz ähnlich wie bei den Glukokortikoiden. [3] Dabei könne das 17-β-Östradiol proinflammatorische, tendenziell „gefährliche“ Interleukine reduzieren, während das Progesteron die Antikörperproduktion ankurbele und die Expression immunregulatorischer Interleukine steuere. [2]

Immunmodulation bei COVID-19

Im Kontext der SARS-CoV-2-Pandemie sei der Rückgang der immunmodulierenden und -stabilisierenden Sexualhormone noch relevanter, betonte Prof. Mang weiter: „Proinflammatorische Zytokine wie Interleukin-6, Interleukin-1 und TNF-α sind nicht nur bei Autoimmunerkrankungen zu finden, sondern auch beim Acute Respiratory Distress Syndrom (ARDS) von COVID-19-Patienten erhöht.“ [2] Die Sexualhormone 17-β-Östradiol und Progesteron wirkten hier sogar kurativ, da sie vor einer Interleukin-Entgleisung schützten – so wie auch bei ARDS. [2] Zudem verringere die HRT die ACE2-Expression, also genau des Enzyms, das SarsCov-2 als „Türklinke“ zur menschlichen Zelle nutze. [5] Da Östradiol die Expression von ACE2 herunterreguliert [6], halte er es für vertretbar, die Frauen in der Menopause auf diese Weise zu schützen.

Großteil der Frauen mit Wechseljahresbeschwerden erhält trotz hohen Leidensdrucks keine HRT

Mehr als ein Drittel der in Deutschland lebenden Frauen (37 Prozent) zwischen 45 und 60 Jahren ist überzeugt, ihr Gesundheitszustand sei während der Wechseljahre schlechter oder sogar viel schlechter geworden [7]. Das zeigte eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag von DR. KADE / BESINS unter 1.000 Frauen zum Thema Wechseljahre. Gepaart mit der gefühlt schlechten Aufklärung (50 % der Frauen fühlten sich mittelmäßig bis schlecht zu Therapiemöglichkeiten in den Wechseljahren informiert) ist es nicht erstaunlich, dass nur jede fünfte Frau in Deutschland letztlich von einer HRT profitiert [7]. Dies zeigen die Daten aus einer Routinedatenanalyse von GKV-Versichertendaten aus den Jahren 2014-2019 [3]. Danach lag die administrative Inzidenz des Klimakteriums bei Frauen im Alter von 35-70 Jahren in Deutschland im Jahr 2014 bei 4,0 %, was hochgerechnet auf die deutsche Bevölkerung 1,6 Millionen Frauen entspricht. Trotz diagnostizierter klimakterischer Störung erhalten nur 21% dieser Frauen eine ambulant verordnete Hormonersatztherapie (HRT) [3]. Dies sei laut Frau Prof. Stute eine überraschend niedrige Zahl, was eine potenzielle Unterversorgung mit verordneter HRT in Deutschland diskutieren lasse. Der Leidensweg der Frauen werde durch die Inanspruchnahme von spezifischer Begleitmedikation (Analgetika und Psychoanaleptika) und Psychotherapie, vermehrte Arztwechsel und Krankschreibungen sowie einen langen therapiefreien Zeitraum sichtbar. Nach Diagnosestellung dauerte es im Schnitt 18 Monate bis die Frauen eine Erstverschreibung für Hormone bekamen.
Erkenntnisse aus der Versorgungsforschung mit unterschiedlichen Datenquellen (Patientenbefragung, GKV-Routinedaten) deuten auf die Notwendigkeit einer verstärkten Sensibilisierung und frühzeitigen Aufklärung zur HRT hin.

Fazit

Sowohl Prof. Mang als auch Prof. Stute machten in ihren Vorträgen deutlich, welches Potential eine frühzeitige HRT in Bezug auf die Gesunderhaltung und Lebensqualität der Frauen mit sich bringt – und dass allzu langes Zuwarten letztlich zu einem Versorgungsdefizit und unnötigem Leid führen kann.

Referenzen

[1] Cauley J, et al. JAMA 2003;290(13):1729–38
[2] Mauvais-Jarvis F, et al. Endocrinology 2020;161(9):1–8
[3] Agieren ist besser als Reagieren – HRT jetzt!“ Symposium im Rahmen des FOKO (Fortbildungskongress des Berufsverbandes der Frauenärzte), 5. März 2021, Veranstalter DR. KADE / BESINS Pharma GmbH
[4] Ghosh M, et al. J Steroid Biochem Mol Biol. 2014;142:171–5
[5] Perrotta F, et al. Respir Med. 2020 Jul;168:105996s
[6] Brosnihan KB, et al. Exp Physiol 2008;93(5):658–64
[7] forsa-Umfrage „Meinungsbarometer Wechseljahre 2020“ im Auftrag von DR. KADE / BESINS


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