Aktuelle Leitlinie zum männlichen Hypogonadismus auf Deutsch verfügbar


Die „Guidelines on Male Hypogonadism“ [1] der European Association of Urology (EAU) wurden erstmals 2012 veröffentlicht. Seitdem wurde die Leitlinie bereits dreimal überarbeitet, zuletzt im Jahr 2018. Auf diesem Weg können neue Erkenntnisse und aktuelle Studiendaten zeitnah berücksichtigt werden. Die Empfehlungen sind somit immer „up-to-date“ und beruhen auf den aktuellen Diagnostik- und Therapiestandards. Die englische Originalversion der EAU-Leitlinie zum männlichen Hypogonadismus kann > hier online abgerufen werden. Was in den letzten Jahren geändert bzw. aktualisiert wurde, kann > hier nachgelesen werden. Anhand dieser Übersicht geht hervor, dass seit 2018 kein Update mehr stattgefunden hat. Die Versionen aus 2018 und 2019 sind somit inhaltlich identisch.

Die Leitlinie wurde kürzlich mit Genehmigung der EAU ins Deutsche übersetzt und ist in der zweiten Ausgabe des Journals für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie im April 2020 erschienen. Somit steht Ärzten aus Klinik und Praxis, die Männer mit symptomatischem Testosteronmangel behandeln, diese wichtige Leitlinie zum männlichen Hypogonadismus in der aktuellen Version nun auch wieder auf Deutsch zur Verfügung. [2]

Die neue Leitlinie liefert insbesondere Ärzten aus den Fachrichtungen Andrologie, Urologie, Endokrinologie, aber auch Allgemein- und Hausärzten relevante Informationen zum Hypogonadismus des Mannes. Einleitend wird auf die Epidemiologie, Ätiologie und Pathologie des männlichen Hypogonadismus eingegangen, danach auf die Diagnose sowie das Krankheitsmanagement inklusive der möglichen Therapieoptionen und deren Kontraindikationen. Hier finden sich unter anderem detaillierte Beschreibungen zu den verfügbaren Testosteron-Präparaten. Da die Wahl der Therapieform eine gemeinsame Entscheidung des informierten Patienten und des Arztes sein soll, wird diese mit der Verfügbarkeit der neuen Leitlinie auf Deutsch erleichtert. Jeder Patient sollte die individuell für ihn am besten geeignete Therapie erhalten, wobei vor Behandlungsbeginn stets eine gründliche Nutzen-Risiko-Bewertung angezeigt ist. Abschließend wird die Wichtigkeit verschiedener Verlaufskontrollen während der Therapie erläutert und in welcher Frequenz diese durchzuführen sind.

Was hat sich im Vergleich zur Vorversion geändert?

Für die 2018er Ausgabe der Leitlinie wurde im Vergleich zur Version aus 2017 zu einer modifizierten GRADE-Methodik (Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation) [3] übergegangen. Für jede Empfehlung innerhalb der Leitlinien gibt es eine Bewertung der Stärke der Evidenz („strength rating“), die auf folgende Schlüsselfaktoren eingeht:

  1. Die Gesamtqualität der Evidenz, die es für die Empfehlung gibt. Die Referenzen wurden gemäß eines Klassifizierungssystems bewertet, welches vom „Oxford Centre for Evidence-Based Medicine Levels of Evidence“ [4] modifiziert wurde.
  2. Das Ausmaß der Wirkung (individuelle oder kombinierte Wirkungen).
  3. Die Sicherheit der Ergebnisse (Genauigkeit, Konstanz, Heterogenität und andere statistische oder studienbezogene Faktoren).
  4. Die Ausgewogenheit zwischen erwünschten und unerwünschten Behandlungsergebnissen.
  5. Den Einfluss der Werte und Präferenzen des Patienten auf die Intervention.
  6. Die Sicherheit dieser Werte und die Präferenzen des Patienten.


Auf der Grundlage dieser sechs Schlüsselfaktoren beurteilen die Leitlinienautoren die Stärke der Evidenz jeder Empfehlung mit den Worten „stark“ oder „schwach“.

Darüber hinaus wurden mit Hilfe einer systematischen Literaturrecherche neue relevante Evidenzen identifiziert, zusammengestellt und bewertet. Dabei fokussierte sich das Expertenkomitee auf Studien mit hohem Evidenzlevel, also systematische Reviews mit Metaanalysen, randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) und prospektive nicht randomisierte vergleichende Studien, die auf Englisch veröffentlicht wurden. Infolgedessen wurden in der gesamten Leitlinie neue Referenzen und Textaktualisierungen eingearbeitet.

Die aktuelle Version der EAU-Leitlinie 2019 auf Deutsch können Sie > hier als PDF herunterladen.

Referenzen

[1] Dohle GR et al. Guidelines on male hypogonadism. European Association of Urology 2019. Online unter: https://uroweb.org/guideline/male-hypogonadism/. Letzter Zugriff: 08.07.2020.
[2] Dohle GR et al. EAU-Leitlinie Männlicher Hypogonadismus 2019. J Reproduktionsmed Endokrinol 2020; 17(2): 66–85.
[3] Guyatt GH et al. GRADE: an emerging consensus on rating quality of evidence and strength of recommendations. BMJ 2008; 336: 924.
[4] Phillips B et al. Oxford Centre for Evidence-based Medicine Levels of Evidence. Updated by Jeremy Howick March 2009. Online unter: https://www.cebm.net/2009/06/oxford-centre-evidence-based-medicine-levels-evidence-march-2009/. Letzter Zugriff: 08.07.2020.


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